Schau nach oben. Eine Brücke aus filigranem Stein, mit Spitzbögen und Fialen, spannt sich über den Carrer del Bisbe und verbindet den Palau de la Generalitat mit der Casa dels Canonges, der alten Residenz der Domherren. Sie sieht aus, als stamme sie direkt aus dem 15. Jahrhundert. Und doch wurde sie 1928 fertiggestellt.
1Gotik aus dem 20. Jahrhundert
Entworfen hat sie der Architekt Joan Rubió i Bellver, ein Schüler Gaudís, im Rahmen der Arbeiten, die dem Viertel rund um die Kathedrale vor der Weltausstellung von 1929 einen mittelalterlichen Anstrich geben sollten. Das nennt man Neugotik: eine Nachbildung, kein Überbleibsel aus alter Zeit. Vieles von dem, was wir heute Gotisches Viertel nennen, wurde in diesen Jahrzehnten restauriert, ergänzt oder neu erfunden.
2Der Schädel und der Dolch
Such die Unterseite der Brücke nach einem kleinen Totenschädel ab, den ein Dolch durchbohrt. Um ihn haben sich mehrere Geschichten gerankt. Die bekannteste besagt: Wer den Dolch jemals herauszieht, bringt einen Fluch über die Stadt. Eine andere behauptet, der Architekt habe ihn aus Rache dort angebracht, weil die Stadtverwaltung ein anderes Projekt von ihm abgelehnt hatte. Für beides gibt es keinen urkundlichen Beleg: Es sind Erzählungen, die sich im Lauf der Jahre an die Brücke geheftet haben.
Die Brücke ist ein Werk von 1928; der Fluch des Schädels gehört zur modernen mündlichen Überlieferung.
Manche schwören sogar, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wenn man rückwärts unter ihr hindurchgeht. Bewiesen hat das natürlich niemand, aber es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen.
3Worauf du achten solltest
- Schädel und Dolch an der Unterseite der Brücke. Dafür brauchst du scharfe Augen.
- Das gotische Maßwerk der Brüstung, scharfkantig und deutlich modern.
- Die Casa dels Canonges auf einer Seite, heute die Residenz des Präsidenten der Generalitat.
Belegt
Die Brücke wurde von Joan Rubió i Bellver entworfen und 1928 fertiggestellt; sie verbindet den Palau de la Generalitat mit der Casa dels Canonges.
Mündliche Überlieferung
Der Fluch, der am Dolch des Schädels hängt, und die angebliche Rache des Architekten sind Volkserzählungen ohne urkundliche Grundlage.
Quellen und Nachweise
Stadtverwaltung Barcelona, Inventar des Architekturerbes (Pont del carrer del Bisbe); Agustí Cócola, „El Barri Gòtic de Barcelona. Planificació del passat i imatge de marca“ (2011); Barcelona Turisme.
Fotos:
- Die neugotische Brücke über dem Carrer del Bisbe: Daniel Kraft, CC BY-SA 3.0.
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