Schau zuerst auf das Dach: Diese glasierten Ziegel in orangefarbenen, grünen und gelben Rauten sind das Markenzeichen der Kirche vor dir. Ihr offizieller Name ist Kirche Unserer Lieben Frau, doch alle nennen sie Matthiaskirche, nach König Matthias Corvinus, der ihren Südturm neu errichten ließ und hier zweimal heiratete: Katharina von Podiebrad 1463 und Beatrix von Neapel 1476.
1Von der Kirche zur Moschee und zurück
Die Kirche entstand im 13. Jahrhundert, als König Béla IV. nach dem Mongolensturm von 1241 auf diesem Hügel die Stadt Buda gründete. 1541 nahmen die Osmanen Buda ein und machten sie bis 1686 zur Hauptmoschee der Stadt. In jenem Jahr, während der christlichen Belagerung, soll eine Kanonenkugel eine Mauer zum Einsturz gebracht und dahinter eine alte Marienstatue enthüllt haben, vor den Augen betender Muslime, und die Stadt sei noch am selben Tag gefallen.
2Krönungen
Nach Jahrhunderten barocker Umbauten stellte Frigyes Schulek zwischen 1874 und 1896 ihr gotisches Aussehen wieder her, einschließlich des Daches, das du heute siehst. Hier wurden 1867 Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, „Sisi“, zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt; Franz Liszt schrieb für die Zeremonie seine Krönungsmesse. Der letzte König, Karl IV., wurde hier am 30. Dezember 1916 gekrönt.
Sisi, in Ungarn so geliebt, empfing hier ihre Königinnenkrone.
3Worauf du achten solltest
- Das Keramikdach in bunten Rauten.
- Der Matthiasturm, durchbrochen wie steinerne Spitze.
- Die Dreifaltigkeitssäule auf dem Platz: ein Pestgelübde, 1713 vollendet.

Belegt
Matthias' Hochzeiten 1463 und 1476, die Nutzung als Moschee von 1541 bis 1686, Schuleks Restaurierung (1874–1896) und die Krönungen von 1867 und 1916 sind belegt.
Mündliche Überlieferung
Die bei der Belagerung von 1686 hinter einer Mauer enthüllte Madonna ist eine überlieferte Erzählung, keine gesicherte Tatsache.
Quellen und Nachweise
Matthiaskirche (matyas-templom.hu), Geschichte der Kirche; Ungarische Wikipedia, „Budavári Nagyboldogasszony-templom“; Frigyes Schulek, Restaurierungsunterlagen, veröffentlicht vom Museum der Bildenden Künste, Budapest.
Fotos:
- Die Matthiaskirche mit gotischem Turm und buntem Keramikdach: D4m1en, CC BY-SA 3.0.
- Nahaufnahme der farbigen Dachziegel der Matthiaskirche: D4m1en, CC BY-SA 3.0.
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