Diese kleinen Häuser wirken wie aus einem Märchen, doch ihr Ursprung war ganz praktisch. 1597 baten die Burgwachen Kaiser Rudolf II. um die Erlaubnis, die Bögen der frisch instand gesetzten Befestigung zuzumauern und darin kleine Wohnungen zu bauen. Der Kaiser genehmigte es am 16. September desselben Jahres per Dekret.

1Gold oder Alchemie?

Der Name hat die Fantasie beflügelt. Man erzählt, hier hätten die Alchemisten Rudolfs II. gearbeitet, jenes Kaisers, der von den okkulten Wissenschaften fasziniert war, auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Die Vorstellung ist reizvoll, doch die Quellen bestätigen sie nicht. Auch dass hier Goldschmiede wohnten, ist nicht sicher: Es war eine der ärmsten Ecken des Hradschin. Der Name könnte schlicht ironisch gemeint gewesen sein.

2Ein Schriftsteller und eine Seherin

Zwischen November 1916 und März 1917 schrieb Franz Kafka abends im Haus Nummer 22, das seine Schwester Ottla gemietet hatte. Dort entstanden viele der Erzählungen aus „Ein Landarzt“. Ein paar Türen weiter lebte Matylda Průšová, eine berühmte Kartenlegerin, bekannt als Madame de Thèbes; sie starb nach einem Verhör durch die Gestapo.

Die Gasse wurde 2010–2011 gründlich restauriert, und mehrere Häuser zeigen heute, wie sie in verschiedenen Epochen von innen aussahen.

3Worauf du achten solltest

  • Haus 22, das blaue, mit einer Gedenktafel für Kafka.
  • Haus 13, das einzige, das nicht in die Gasse hineinragt und seine ursprüngliche Größe bewahrt hat.
  • Der Daliborka-Turm am Ende, ein ehemaliges Gefängnis von 1496.
Alte Fotografie der Goldenen Gasse um 1900, mit Kindern auf der Straße
Die Gasse um 1900, als in den Häuschen noch arme Familien wohnten.

Belegt

Die Häuser entstanden ab 1597 mit Erlaubnis Rudolfs II., und Franz Kafka arbeitete 1916–1917 in der Nummer 22.

Mündliche Überlieferung

Die Vorstellung, dass in der Gasse die Alchemisten Rudolfs II. arbeiteten, ist eine beliebte Überlieferung ohne Bestätigung.

Quellen und Nachweise

Offizielle Website der Prager Burg (hrad.cz), Goldene Gasse; Reiner Stach, „Kafka: Die Jahre der Erkenntnis“; Tschechische Wikipedia, „Zlatá ulička“.

Fotos:

  • Die bunten kleinen Häuser der Goldenen Gasse, mit dem blauen Haus Nummer 22: Yair Haklai, CC BY-SA 3.0.
  • Alte Fotografie der Goldenen Gasse um 1900, mit Kindern auf der Straße: Peter Elfelt, CC BY 4.0.

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