Du stehst vor dem Kloster Santa Inés, einer Gemeinschaft von Klarissen, die seit über sechs Jahrhunderten besteht. Die Straße heißt Doña María Coronel, und das aus gutem Grund: Sie gründete dieses Haus, und ihre Geschichte gehört zu den schaurigsten Sevillas.
1Was die Quellen sagen
María Fernández Coronel lebte im 14. Jahrhundert unter König Peter I. von Kastilien. Ihr Vater, Alfonso Fernández Coronel, wurde 1353 auf Befehl des Königs enthauptet, ihr Mann, Juan de la Cerda, erlitt 1357 dasselbe Schicksal, beide wegen Aufstands gegen den Monarchen. Sie verlor ihren Besitz und erhielt ihn erst unter Heinrich II. zurück. In den 1370er-Jahren gründete sie dieses Kloster, in dem sie Anfang des 15. Jahrhunderts starb.
2Was die Legende sagt
Die Überlieferung fügt eine furchtbare Episode hinzu: Vom König verfolgt, flüchtete María in ein Kloster und goss sich, weil sie keinen anderen Ausweg sah, siedendes Öl über Gesicht und Brust, damit der Monarch sie nicht mehr begehrte.
Der Überlieferung nach ist ihr Leichnam unverwest geblieben, und die Nonnen zeigen ihn jedes Jahr am 2. Dezember, ihrem Todestag.
Das Kloster hat auch ein zweites, literarisches Leben: Gustavo Adolfo Bécquer ließ hier seine Legende „Maese Pérez el organista“ spielen, die Geschichte einer Orgel, die in der Christmette wundersam erklingt, nachdem ihr Organist gestorben ist.
3Worauf du achten solltest
- Das Portal mit dem Lamm-Medaillon, dem Symbol der heiligen Agnes.
- Das Straßenschild, das den Namen der Gründerin bewahrt.
- Die Drehklappe des Klosters, wenn sie geöffnet ist: Die Nonnen verkaufen Süßigkeiten, ohne dass man sie je sieht.

Belegt
Vater und Ehemann der María Fernández Coronel wurden 1353 und 1357 auf Befehl Peters I. hingerichtet, und sie gründete das Kloster Santa Inés in den 1370er-Jahren.
Mündliche Überlieferung
Die Geschichte vom siedenden Öl, mit dem sie dem König entkommen wollte, gehört zur Überlieferung, nicht zu den Aufzeichnungen der Zeit.
Quellen und Nachweise
Real Academia de la Historia, Diccionario Biográfico Español („María Fernández Coronel“); Gustavo Adolfo Bécquer, „Maese Pérez el organista“ (1861); Universidad Pablo de Olavide, Zeitschrift Patio Colorado, „El rey Pedro I de Castilla y la ciudad de Sevilla“.
Fotos:
- Mauer und Portal der Klosterkirche Santa Inés: Cocolisa, CC BY-SA 3.0.
- Detail des Portals von Santa Inés mit dem Lamm-Medaillon: Jl FilpoC, CC BY-SA 4.0.
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