Du stehst auf dem Stortorget, dem „Großen Markt“, dem Herzen der mittelalterlichen Stadt. Heute ist er voller Cafés und bunt gestrichener Häuser, doch genau hier spielte sich die blutigste Episode der schwedischen Geschichte ab.

1Eine Krönung mit Falle

Im Jahr 1520 eroberte Christian II. von Dänemark Schweden. Er wollte über alle drei nordischen Reiche der Kalmarer Union herrschen. Stockholm ergab sich, nachdem ihm schriftlich eine Amnestie zugesichert worden war. Am 4. November wurde Christian im Dom gekrönt, es folgten drei Tage Festgelage im Schloss. Am 7. wurden die Tore geschlossen: Erzbischof Gustav Trolle beschuldigte die Anhänger des verstorbenen Reichsverwesers Sten Sture der Ketzerei.

2Der 8. und 9. November

Gegen Mittag am Donnerstag, dem 8., begannen auf diesem Platz die Hinrichtungen. Zuerst wurden zwei Bischöfe enthauptet, dann Adlige, der Bürgermeister und die Ratsherren. Laut dem Henker starben 82 Menschen, andere Quellen sprechen von fast hundert. Unter ihnen war Erik Johansson Wasa, der Vater des späteren Gustav Wasa. Der Augenzeuge Olaus Petri schrieb, die Leichen hätten bis Samstag auf dem Platz gelegen und das Blut sei durch die Rinnsteine geflossen. Danach wurden sie auf Södermalm verbrannt.

„Es war ein grausamer und unbarmherziger Mord“, schrieb Olaus Petri in seiner Chronik.

Man erzählt, die weißen Steine am roten Haus mit der Nummer 20 erinnerten an die Opfer, einer für jeden Kopf. Das ist volkstümliche Überlieferung: Keine Quelle bestätigt es.

3Worauf du achten solltest

  • Das rote Haus an der Westseite mit seinen weißen Steinen.
  • Der Brunnen, 1778 von Erik Palmstedt entworfen.
  • Das Börsenhaus von 1773-1778, Sitz der Schwedischen Akademie.
Alter handkolorierter Stich mit Szenen der Hinrichtungen beim Stockholmer Blutbad
Das Blutbad auf einem Stich von 1676, der das Propagandablatt kopiert, das Gustav Wasa 1524 in Auftrag gab.

Belegt

Die Hinrichtungen vom 8. und 9. November 1520 auf dem Stortorget beschrieb der Augenzeuge Olaus Petri; der Henker Jürgen Homuth bezifferte die Zahl der Toten auf 82, unter ihnen der Vater Gustav Wasas.

Mündliche Überlieferung

Dass die weißen Steine am roten Haus Nummer 20 für die Opfer stehen, einer pro Kopf, ist volkstümliche Überlieferung ohne Beleg in den Quellen.

Quellen und Nachweise

Olaus Petri, „En svensk krönika“ (16. Jahrhundert); Lars-Olof Larsson, „Kalmarunionens tid“ (1997); schwedische Wikipedia, „Stockholms blodbad“ und „Stortorget, Stockholm“.

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