Vor dir steht eines der auffälligsten Häuser der Keizersgracht. Schau dir die sechs steinernen Köpfe an, die zwischen den Fenstern hervorlugen: Sie gaben dem Gebäude seinen Namen und einer der blutigsten Legenden der Stadt ihren Stoff.

1Was die Quellen sagen

Das Haus wurde 1622 für Nicolaas Sohier gebaut, einen reichen Kaufmann und Kunstsammler. Seine Renaissancefassade wird der Werkstatt von Hendrick de Keyser zugeschrieben und wurde wohl von seinem Sohn Pieter vollendet, denn Hendrick starb 1621. 1634 kaufte es Louis de Geer, ein mächtiger Waffen- und Eisenmagnat, und seine Familie wohnte über Generationen hier. Zu den Gästen zählte der tschechische Pädagoge Jan Amos Comenius, der im Amsterdamer Exil lebte.

2Die Legende von der Magd

Nach der Überlieferung brachen eines Nachts, als die Besitzer verreist waren, Einbrecher in das Haus ein. Die Magd, ganz allein, fing sie einen nach dem anderen ab, als sie in den Keller herunterkamen, und schlug ihnen die Köpfe ab. Die sechs Köpfe an der Fassade seien das Denkmal für ihre Tat. Manche Fassungen sprechen von sieben Einbrechern, von denen einer entkommen sei.

Untersuchungen der Fassade erkennen in den Köpfen sechs antike Götter: Apollo, Ceres, Merkur, Minerva, Bacchus und Diana.

Das Geheimnis lebt heute in anderer Form weiter: Seit 2017 beherbergt das Haus die Embassy of the Free Mind, die einen Teil einer großen Sammlung von Büchern über Hermetik, Alchemie und Mystik zeigt, die Joost Ritman zusammengetragen hat.

3Worauf du achten solltest

  • Die sechs Köpfe: Am Helm der Minerva und an den Trauben des Bacchus erkennst du sie auseinander.
  • Der Treppengiebel, reich verziert, typisch für die niederländische Renaissance.
  • Die Größe des Hauses, doppelt so breit wie die Nachbarhäuser, ein Zeichen enormen Reichtums.

Belegt

Das Haus wurde 1622 für Nicolaas Sohier gebaut und ging 1634 an Louis de Geer; die Köpfe stellen antike Götter dar.

Mündliche Überlieferung

Die Geschichte von der Magd, die den Einbrechern die Köpfe abschlug, ist eine Volkslegende ohne jede urkundliche Grundlage.

Quellen und Nachweise

Embassy of the Free Mind, Geschichte des Huis met de Hoofden; Rijksmonumentenregister (Eintrag Keizersgracht 123); Stadsarchief Amsterdam, „Huis met de Hoofden“.

Fotos:

  • Fassade des Huis met de Hoofden an der Keizersgracht: Samuel Mudrík, CC BY-SA 4.0.
  • Eingang des Huis met de Hoofden mit dem Kopf der Minerva und der Hausnummer 123: Vysotsky, CC BY-SA 4.0.

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