Vor dir liegt der Gendarmenmarkt, für viele der schönste Platz Berlins. Hier beenden wir die Route, weil dieser Platz eine andere Seite der Stadtgeschichte erzählt: die einer Hauptstadt, die von Einwanderern gebaut wurde.
1Der Platz der Flüchtlinge
Der Platz entstand Ende des 17. Jahrhunderts im neuen Stadtteil Friedrichstadt. 1685 bot das Edikt von Potsdam des Großen Kurfürsten den Hugenotten Zuflucht, den aus Frankreich vertriebenen Protestanten. Tausende kamen nach Berlin, so viele, dass um 1700 ein beträchtlicher Teil der Stadtbewohner Französisch sprach. Zwischen 1701 und 1705 entstand für sie auf der Nordseite die Französische Friedrichstadtkirche; gegenüber erhob sich die Deutsche Kirche. Seinen Namen verdankt der Platz dem Kürassierregiment Gens d’armes, das hier im 18. Jahrhundert seine Ställe hatte.
2Die Türme Friedrichs des Großen
Die beiden Kuppeltürme gehörten nicht zu den ursprünglichen Kirchen: Friedrich II. ließ sie zwischen 1780 und 1785 nach Plänen von Carl von Gontard anfügen, um dem Platz ein monumentales Aussehen zu geben. Deshalb heißen beide „Dom“, obwohl keiner eine Kathedrale ist: Das Wort bezieht sich auf ihre Kuppeln.
3Schinkels Theater
In der Mitte errichtete Karl Friedrich Schinkel von 1818 bis 1821 das Königliche Schauspielhaus, das heutige Konzerthaus. 1945 zerstört, wurde der Platz zu DDR-Zeiten wiederaufgebaut. Zu Weihnachten 1989 dirigierte hier Leonard Bernstein Beethovens Neunte zur Feier des Mauerfalls.
Schau genau hin: Die beiden Türme wirken wie Zwillinge, doch die Kirchen dahinter sind verschieden.
4Worauf du achten solltest
- Das Schiller-Denkmal von Reinhold Begas vor der Freitreppe.
- Die beiden Kuppeln, fast identisch.
- Die Spitze des Konzerthauses, gekrönt von Apollo auf einem Greifengespann.
Belegt
Die Französische Kirche wurde 1701–1705 für die Hugenotten erbaut, die Türme kamen 1780–1785 nach Gontards Entwurf hinzu, und Schinkels Theater stammt aus den Jahren 1818–1821.
Quellen und Nachweise
Landesdenkmalamt Berlin, Denkmalliste (Gendarmenmarkt); Konzerthaus Berlin, Geschichte des Hauses (konzerthaus.de); Hugenottenmuseum im Französischen Dom.
Fotos:
- Der Gendarmenmarkt mit Konzerthaus und Französischem Dom: Tuxyso, CC BY-SA 3.0.
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