Schau nach unten, unter das Glas: Diese Steine sind alles, was von Contra-Aquincum übrig ist, einem kleinen römischen Kastell. Vor fast zweitausend Jahren war die Donau die Grenze des Reiches. Am anderen Ufer lag Aquincum, die Hauptstadt der Provinz Pannonien, und hier, am „barbarischen“ Ufer, hielt Rom am Flussübergang Wache.
1Eine Grenze aus Stein
Das Kastell wurde im späten 3. Jahrhundert verstärkt, als die Überfälle von jenseits der Donau häufiger wurden. Es heißt, man habe in der Eile Grabsteine eines nahen Friedhofs wiederverwendet. Als die Grenze zerbrach, verschwand das Kastell unter der Stadt, und seine Reste wurden erst in neuerer Zeit untersucht.
2Das Grab eines Märtyrers
Auf demselben Boden steht die Innenstadt-Pfarrkirche, die älteste von Pest. Der Überlieferung nach wurde hier 1046 Bischof Gerhard, ungarisch Gellért, beigesetzt, nachdem er auf dem Berg getötet worden war, den du am anderen Ufer siehst. Seine Gebeine wurden später nach Csanád gebracht, in sein Bistum.
Während der osmanischen Besatzung diente die Kirche als Moschee, und im Inneren besitzt sie noch einen Mihrab, die Nische, die die Gebetsrichtung nach Mekka anzeigt. Nach einem Brand im Jahr 1723 wurde sie im Barockstil wiederaufgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Elisabethbrücke neu gebaut wurde, war sogar von ihrem Abriss die Rede; die Kirche verhandelte, und das Gebäude blieb erhalten.
Römer, Magyaren, Osmanen und Barock: vier Schichten der Stadt auf wenigen Metern.
3Worauf du achten solltest
- Die römischen Mauern unter dem Glas, mitten auf dem Platz.
- Die Brückenrampe, die an der Kirche vorbeistreift: die Spur des drohenden Abrisses.
- Der Gellértberg am anderen Ufer, auf dem die Statue des Bischofs hierher blickt.
Belegt
Das römische Kastell Contra-Aquincum, die Nutzung der Kirche als Moschee in osmanischer Zeit und ihr barocker Wiederaufbau nach dem Brand von 1723 sind belegt.
Mündliche Überlieferung
Die erste Beisetzung des heiligen Gerhard in dieser Kirche und die Wiederverwendung von Grabsteinen zur Verstärkung des Kastells sind mündlich überliefert.
Quellen und Nachweise
Historisches Museum Budapest, Aquincum-Museum (aquincum.hu); Innenstadt-Pfarrei von Pest (belvarosiplebania.hu); Englische Wikipedia, „Inner City Parish Church in Pest“.
Fotos:
- Mauerreste des römischen Kastells Contra-Aquincum am Platz des 15. März: Hujber Tünde, CC BY-SA 4.0.
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