Vor dir liegt der Sitz der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, und ihre Geschichte beginnt mit ein paar Worten, die weit von hier gesprochen wurden. Am 3. November 1825 stand Graf István Széchenyi auf dem Reichstag in Pozsony, dem heutigen Bratislava, auf und bot das Jahreseinkommen seiner Güter an, um eine Gelehrtengesellschaft für die ungarische Sprache und Wissenschaft zu gründen. Andere Adlige schlossen sich auf der Stelle an. In einer Zeit, in der Verwaltung und Universität Latein oder Deutsch sprachen, war das fast eine Erklärung kultureller Unabhängigkeit.
1Ein Palast für eine Sprache
Das Gebäude folgte vierzig Jahre später. Entworfen hat es der Berliner Architekt Friedrich August Stüler, die Bauarbeiten in Pest leiteten Miklós Ybl und Antal Skalnitzky, eröffnet wurde es am 11. Dezember 1865. Stüler schlug auch vor, die Terrakottastatuen hoch oben in Berlin zu bestellen: Gelehrte, die die Wissensgebiete verkörpern, von Galilei bis Newton und von Descartes bis Leibniz. Der einzige Ungar der Gruppe ist der Sprachforscher Miklós Révai, den Miklós Izsó modellierte.
2Der Mann auf dem Platz
Széchenyi blieb nicht bei der Akademie stehen. Er setzte sich für die Dampfschifffahrt auf der Donau ein, für die Regulierung des Flusses und für die Kettenbrücke hinter dir. Deshalb nannte Kossuth ihn „den größten Ungarn“. Sein Bronzedenkmal auf dem Platz, ein Werk von József Engel, wurde 1880 enthüllt.
Eine Nation gründet man nicht allein mit Schwertern: Man braucht auch Wörterbücher.
3Worauf du achten solltest
- Die Eckstatuen: Auf der Donauseite stehen Newton und Lomonossow; Letzterer ersetzt einen Raffael, der nach dem Zweiten Weltkrieg durch Bomben beschädigt war.
- Miklós Révai an einer Seite der Hauptfassade: der einzige ungarische Gelehrte der Reihe.
- Széchenyis Denkmal, umgeben von allegorischen Figuren, mit Blick auf den Platz, der seinen Namen trägt.
Belegt
Széchenyis Angebot auf dem Reichstag von 1825, Stülers Entwurf und die Eröffnung des Palastes am 11. Dezember 1865 sind von der Akademie selbst belegt.
Quellen und Nachweise
Ungarische Akademie der Wissenschaften (mta.hu), „A Brief Architectural History of the Palace of the Academy“; Budapesti Levéltári Mozaikok (Budapester Stadtarchiv); Ungarische Wikipedia, „Magyar Tudományos Akadémia“.
Fotos:
- Fassade der Ungarischen Akademie der Wissenschaften am Széchenyi-Platz: Daniel Csörföly, CC BY-SA 3.0.
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