Achte auf den Kontrast: eine kleine Kirche aus rotem Backstein, fast wie ein Spielzeug, umgeben von den größten Amtsgebäuden der Stadt. Das ist die Kretzulescu-Kirche, rumänisch Crețulescu, erbaut zwischen 1720 und 1722 vom Großlogotheten Iordache Crețulescu, einer Art Kanzler, und seiner Frau Safta.

1Brâncoveanus Tochter

Safta war die Tochter von Constantin Brâncoveanu, dem Fürsten, der die Walachei ein Vierteljahrhundert lang regierte und einem Kunststil seinen Namen gab, dem Brâncoveanu-Stil. 1714 setzten ihn die Osmanen ab, brachten ihn nach Istanbul und richteten ihn zusammen mit seinen vier Söhnen hin. Wenige Jahre später baute seine Tochter diese Kirche im Stil ihres Vaters: mit Säulenvorhalle, Bögen und gemeißeltem Stein.

2Das Jahrhundert der Phanarioten

Nach Brâncoveanu traute die Hohe Pforte den einheimischen Bojaren nicht mehr und begann, griechische Fürsten aus dem Istanbuler Viertel Phanar einzusetzen. Die Phanarioten regierten die Walachei von 1716 bis 1821: ein Jahrhundert hoher Steuern und Intrigen, aber auch griechischer Kultur und Reformen.

Damals lag hier der Nordrand von Bukarest, und der Stifter baute neben der Kirche auch eine Herberge. Der nackte Backstein, den du siehst, ist nicht ursprünglich: Die Kirche war verputzt, bis Ștefan Balș sie 1935–1936 restaurierte. Im Kommunismus gab es Pläne, sie abzureißen; gerettet wurde sie vor allem dank einer Gruppe von Architekten, unter ihnen Henriette Delavrancea.

3Worauf du achten solltest

  • Die Vorhalle mit Steinsäulen und Malereien, die den alten Schmuck bewahren.
  • Die Blendbögen, die sich an der Backsteinfassade entlangziehen.
  • Die beiden Türme mit hohen, schmalen Fenstern.

Belegt

Belegt sind der Bau 1720–1722 durch Iordache und Safta Crețulescu, Brâncoveanus Hinrichtung 1714, die Restaurierung von 1935–1936 und die Innenmalereien von Gheorghe Tattarescu (1859–1860).

Quellen und Nachweise

Rumänische Wikipedia, „Biserica Kretzulescu“; Liste der historischen Denkmäler Rumäniens, Kulturministerium; Keith Hitchins, The Romanians 1774–1866 (Oxford University Press, 1996).

Fotos:

  • Kretzulescu-Kirche aus rotem Backstein mit Säulenvorhalle und zwei Türmen: Diego Delso, CC BY-SA 4.0.

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