Nimm dir einen Moment, um zu begreifen, was vor dir steht. Der Bau misst 240 mal 270 Meter, ist 84 Meter hoch, hat acht unterirdische Ebenen und rund 365.000 Quadratmeter Nutzfläche. Oft heißt es, er sei das schwerste Gebäude der Welt. Die Rumänen nannten ihn zuerst Casa Poporului, Haus des Volkes; heute ist er der Parlamentspalast.

1Das Erdbeben und der Traum

Am 4. März 1977 tötete ein Erdbeben in Rumänien mehr als 1.500 Menschen, die meisten davon in Bukarest. Ceaușescu nutzte es als Vorwand, um das Zentrum nach seinem Geschmack umzubauen. Oft wird erzählt, ihn hätten die riesigen Anlagen beeindruckt, die er 1971 in Pjöngjang gesehen hatte. Die Arbeiten begannen am 25. Juni 1984 unter einer sehr jungen Architektin, Anca Petrescu, die Hunderte Architekten anleitete. Fast alles stammt aus rumänischen Materialien: Marmor, Holz und Kristall für Hunderte Kronleuchter.

2Der Preis

Für den Bau wurde das Viertel Uranus-Izvor dem Erdboden gleichgemacht: rund sieben Quadratkilometer der historischen Innenstadt, mit Häusern, Kirchen, einem Kloster und einem Krankenhaus. Etwa 40.000 Menschen wurden umgesiedelt. Der Palast steht auf dem Spirii-Hügel, wo die phanariotischen Fürsten 1775 den Neuen Hof errichtet hatten.

Als Ceaușescu 1989 stürzte, war er unvollendet. Heute sitzen hier die Abgeordnetenkammer, der Senat und das Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst, und doch steht ein großer Teil leer. Das Innere kannst du besichtigen: Die Touren sind meist geführt, müssen vorab gebucht werden und erfordern einen Ausweis, also informiere dich vorher.

3Worauf du achten solltest

  • Die Säulenreihen, die sich Stockwerk um Stockwerk wiederholen.
  • Die Sichtachse nach Osten, ausgerichtet auf den großen Boulevard.
  • Der menschliche Maßstab: Such dir jemanden an der Fassade zum Vergleich.
Der Parlamentspalast überragt die Dächer von Bukarest
Seine Größe begreift man am besten aus der Ferne, hoch über der Stadt.

Belegt

Belegt sind der Baubeginn am 25. Juni 1984, die Leitung durch Anca Petrescu, die Maße des Gebäudes, der Abriss von rund 7 km² und die Umsiedlung von etwa 40.000 Menschen.

Mündliche Überlieferung

Dass Ceaușescus Besuch in Pjöngjang 1971 die Inspiration lieferte, ist eine weit verbreitete Erklärung, die aber kein Dokument belegt.

Quellen und Nachweise

Camera Deputaților (cdep.ro), Informationen zum Parlamentspalast; Englische Wikipedia, „Palace of the Parliament“; Dinu C. Giurescu, The Razing of Romania's Past (World Monuments Fund, 1989).

Fotos:

  • Der Parlamentspalast in Bukarest, von einem Park aus gesehen: Nicolae Sfetcu, CC BY-SA 4.0.
  • Der Parlamentspalast überragt die Dächer von Bukarest: Mihai Petre, CC BY-SA 3.0.

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