Vor dir steht eines der meistdiskutierten Gebäude der jüngeren europäischen Architektur. Um es zu verstehen, musst du ins Jahr 1707 zurückgehen. Damals vereinigte der Act of Union die Parlamente Schottlands und Englands, und das schottische trat nicht mehr zusammen. Fast drei Jahrhunderte später, beim Referendum von 1997, stimmten die Schotten für seine Rückkehr.
„Das schottische Parlament, vertagt am 25. März 1707, ist hiermit wieder einberufen.“ Winnie Ewing, 12. Mai 1999.
1Ein Katalane in Holyrood
Den Wettbewerb gewann Enric Miralles, ein Architekt aus Barcelona, mit seinem Büro EMBT und der schottischen Firma RMJM. Miralles wollte ein Gebäude, das „aus dem Land herauswächst“: Er ließ sich von der Landschaft des Arthur's Seat inspirieren, von umgedrehten Booten und von Blättern. Die Fertigstellung erlebte er nicht mehr, er starb im Juli 2000. Im selben Jahr starb auch Donald Dewar, Schottlands erster First Minister und treibende Kraft des Projekts.
Das Vorhaben war umstritten. Erste Schätzungen sprachen von einigen Dutzend Millionen Pfund, am Ende kostete der Bau rund 414 Millionen Pfund, was eine öffentliche Untersuchung nach sich zog. Trotzdem wurde das Gebäude im Oktober 2004 eröffnet und gewann im Jahr darauf den Stirling Prize, den renommiertesten Architekturpreis Großbritanniens.
2Worauf du achten solltest
- Die Canongate Wall: Steine aus ganz Schottland mit eingemeißelten Zitaten schottischer Schriftsteller.
- Die Bürofenster mit Holzrahmen, die wie ein zugezogener Vorhang wirken.
- Die Salisbury Crags im Hintergrund: die Klippen, die die Linien des Gebäudes inspiriert haben.
Belegt
Das Parlament trat 1999 wieder zusammen; das Gebäude von Enric Miralles wurde im Oktober 2004 eröffnet, die Endkosten lagen bei rund 414 Millionen Pfund.
Quellen und Nachweise
Offizielle Website des schottischen Parlaments (parliament.scot), Geschichte des Gebäudes; Lord Fraser of Carmyllie, „The Holyrood Inquiry“ (2004); RIBA, Stirling Prize 2005.
Fotos:
- Das schottische Parlamentsgebäude, dahinter die Salisbury Crags: Darren J. Prior, CC BY 4.0.
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