Geh zum Eingang der Kathedrale und schau links neben die Tür. An einer Kette hängen gewaltige Knochen. Die Überlieferung nennt sie „Drachenknochen“ und sagt, solange sie dort hängen, werde die Kathedrale stehen; fallen sie je herunter, gehe die Welt unter.
1Was sie wirklich sind
1937 untersuchte Professor Henryk Hoyer von der Jagiellonen-Universität die Knochen und bestimmte sie: ein Mammutknochen, ein Stück Walkiefer und der Schädel eines Wollnashorns. Im Mittelalter war es üblich, solche Funde in Kirchen aufzuhängen, als Kuriositäten oder als Zeugnisse von Wundern.
2Die Sigismundglocke
Im Turm der Kathedrale hängt die Glocke Zygmunt, 1520 von Hans Behem für König Sigismund I. gegossen. Mit Klöppel und Beschlägen wiegt sie etwa 12,6 Tonnen, und sie läutet nur an hohen Feiertagen und bei nationalen Ereignissen. Wer ihren Klöppel berührt, so heißt es, hat Glück in der Liebe.
3Der Fluch der Jagiellonen
1973 wurde das Grab von König Kasimir IV. Jagiellone zur Konservierung geöffnet. In den folgenden Jahren starben mehrere Mitglieder des Teams, und die Presse begann von einem „Fluch“ zu sprechen. Später fand man im Grab Pilze, darunter Aspergillus flavus, dessen Giftstoffe gefährlich sein können, doch einen schlüssigen Beweis, dass sie diese Todesfälle verursachten, gibt es nicht.
Ein paar Schritte weiter, im Schlosshof, siehst du vielleicht Menschen, die sich an eine Wand lehnen: Sie suchen das „Wawel-Chakra“, einen Energiestein, der nach Ansicht mancher Esoteriker dort liegen soll. Die Idee entstand in der esoterischen Presse der Zwischenkriegszeit, archäologische Belege gibt es nicht, und die Schlossverwaltung rät davon ab.
4Worauf du achten solltest
- Die Knochen, angekettet neben der Tür.
- Die gekrönten „K“ an der Tür, das Monogramm König Kasimirs des Großen.
- Die goldene Kuppel der Sigismundkapelle.

Belegt
Belegt sind die Untersuchung der Knochen 1937, der Guss der Glocke 1520 und die Öffnung des Grabes von Kasimir IV. im Jahr 1973.
Mündliche Überlieferung
Dass die Knochen von einem Drachen stammen und das Ende der Welt ankündigen, das Glück beim Berühren des Klöppels, der Fluch des Grabes und das Wawel-Chakra gehören zu Überlieferung und Volksglauben.
Quellen und Nachweise
Offizielle Website der Wawel-Kathedrale (katedra-wawelska.pl); polnische Wikipedia, „Dzwon Zygmunt“ und „Czakram wawelski“; englische Wikipedia, „Tomb of Casimir IV Jagiellon“.
Fotos:
- Wawel-Kathedrale mit der goldenen Kuppel der Sigismundkapelle: Ingo Mehling, CC BY-SA 4.0.
- Prähistorische Knochen neben dem Portal der Wawel-Kathedrale: Yohan euan o4, CC BY-SA 3.0.
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