Sieh zu dieser weißen Kuppel hinauf. Ihre Geschichte hat den Portugiesen eine Redewendung geschenkt, die sie bis heute benutzen: Wenn eine Arbeit nie zu enden scheint, sind es obras de Santa Engrácia, die Bauarbeiten von Santa Engrácia.

1Ein Diebstahl und ein Urteil

1568 gründete die Infantin Maria, Tochter von König Manuel I., hier eine Kirche für Reliquien der heiligen Engratia von Saragossa. Im Januar 1630 fand man den Reliquienschrein geschändet vor. Der Verdacht fiel auf Simão Pires Sólis, einen jungen Neuchristen, der bei der Inquisition angezeigt wurde. Er wurde verurteilt und 1631 genau hier auf dem Campo de Santa Clara hingerichtet.

2Der Fluch

Der Überlieferung nach rief Simão vor seinem Tod, so sicher, wie er unschuldig sterbe, würden die Bauarbeiten nie vollendet werden. Die Legende fügt hinzu, er habe geschwiegen, um seine Geliebte zu schützen, eine Nonne aus dem benachbarten Kloster, und der wahre Dieb sei später gefunden worden.

Das Urteil von 1631 ist belegt; Simãos Worte und seine heimliche Liebe leben in der Erinnerung des Volkes fort.

Sicher ist, dass die Kirche 1681 schwer beschädigt wurde, dass der heutige Bau 1682 nach einem João Antunes zugeschriebenen Entwurf begonnen wurde und dass sich die Arbeiten über Jahrhunderte hinzogen. 1916 wurde sie noch unvollendet zum Nationalpantheon erklärt. Die Kuppel wurde erst 1966 geschlossen.

3Worauf du achten solltest

  • Die Kuppel aus dem 20. Jahrhundert, auf einem Barockbau des 17. Jahrhunderts.
  • Den Grundriss als griechisches Kreuz mit geschwungenen Fassaden, in Lissabon selten.
  • Den Campo de Santa Clara, wo Simão hingerichtet wurde. Im Inneren ruhen unter anderem die Fado-Sängerin Amália Rodrigues und der Fußballer Eusébio.

Belegt

Simão Pires Sólis wurde 1631 für den Kirchenraub von 1630 hingerichtet; die heutige Kirche wurde 1682 begonnen, 1916 zum Nationalpantheon erklärt und 1966 vollendet.

Mündliche Überlieferung

Der Fluch, den Simão ausgesprochen haben soll, und seine angebliche Liebschaft mit einer Nonne stammen aus mündlicher Überlieferung.

Quellen und Nachweise

Panteão Nacional, offizielle Website (Património Cultural, I.P.); Direção-Geral do Património Cultural, Eintrag zur Igreja de Santa Engrácia; Júlio de Castilho, ‚Lisboa Antiga‘.

Fotos:

  • Die Igreja de Santa Engrácia, das Nationalpantheon, mit ihrer großen weißen Kuppel: NorbertNagel, CC BY-SA 4.0.

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