Vor dir verläuft die Montée du Gourguillon, eine der ältesten Straßen Lyons. Jahrhundertelang war sie der einzige Zugang von Westen: Schon die Römer stiegen hier von der Oberstadt auf dem Fourvière zur Saône hinab. Sie ist rund 400 Meter lang und hat eine durchschnittliche Steigung von mehr als 13 %.

1Ein Fluss aus Blut

Anfang des 16. Jahrhunderts verbreitete der Arzt und Humanist Symphorien Champier eine spektakuläre Erklärung für ihren Namen: Bei der Verfolgung unter Kaiser Septimius Severus, um 202 n. Chr., seien neunzehntausend Christen gemartert worden. Ihr Blut sei diese Steige hinabgeflossen und habe die Saône bis nach Mâcon rot gefärbt.

Die Lyoner Gelehrten halten diese Geschichte für Fantasie: „Gourguillon“ kommt offenbar von einem Wort für Regenwasser, das bergab rauscht.

2Das Juwel des Papstes

Was belegt ist, überrascht noch mehr. Am 14. November 1305 war Clemens V. gerade oben auf dem Hügel in Saint-Just zum Papst gekrönt worden und zog mit König Philipp dem Schönen in einer Prozession hier herab. Eine mit Schaulustigen überfüllte Mauer stürzte auf den Zug: Zwölf Menschen starben, darunter ein Bruder des Papstes und Herzog Johann II. von der Bretagne. Der Papst stürzte, verlor seine Tiara, und zeitgenössischen Berichten zufolge verschwand einer ihrer Edelsteine im Schutt. Er wurde nie gefunden.

3Worauf du achten solltest

  • Die kleinen Stufen im Pflaster, die die Steigung mildern.
  • Die Aussicht: „Beauregard“, schöner Blick, hieß im Mittelalter der obere Teil.
  • Die Impasse Turquet, eine Sackgasse mit seltenen Fachwerkhäusern.
Blick von der Place Beauregard an der Montée du Gourguillon über die Dächer von Lyon
Place Beauregard: die „schöne Aussicht“, die der Gasse einst ihren Namen gab.

Belegt

Am 14. November 1305 stürzte auf dieser Steige eine Mauer auf die Prozession Clemens’ V. und tötete zwölf Menschen, darunter Herzog Johann II. von der Bretagne.

Mündliche Überlieferung

Das Blut von neunzehntausend Märtyrern, das den Gourguillon hinab in die Saône floss, ist eine im 16. Jahrhundert verbreitete Legende; der verlorene Edelstein der Tiara stammt aus alten Berichten.

Quellen und Nachweise

Französische Wikipedia, „Montée du Gourguillon“; Louis Maynard, Histoires, légendes et anecdotes à propos des rues de Lyon (1922, neu aufgelegt bei Éditions des traboules); Nizier du Puitspelu, Le Littré de la Grand’Côte.

Fotos:

  • Die Montée du Gourguillon, eine steile, schmale Gasse zwischen alten Häusern in warmen Farben: Tournasol7, CC BY 4.0.
  • Blick von der Place Beauregard an der Montée du Gourguillon über die Dächer von Lyon: Gonedelyon, CC BY-SA 3.0.

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