Vor dir, oben auf dem Fourvière, stehen zwei Heiligtümer nebeneinander: die kleine Kapelle Saint-Thomas mit der goldenen Madonna auf dem Glockenturm und die große weiße Basilika vom Ende des 19. Jahrhunderts. Beide verbindet ein Versprechen.
1Das Gelübde der Schöffen
Im 17. Jahrhundert suchte die Pest Lyon immer wieder heim; die Epidemie von 1628 war die verheerendste. Als 1643 eine neue Welle die umliegenden Dörfer bedrohte, gelobten der Vorsteher der Kaufmannschaft und die Schöffen: Bliebe die Stadt verschont, würden sie jedes Jahr am 8. September in einer Prozession auf den Fourvière steigen und einen Goldtaler und sieben Pfund weißes Wachs opfern. Lyon blieb verschont, und das Gelübde wird bis heute jeden September erneuert.
Der Überlieferung nach erinnert der Coussin de Lyon, die grüne Süßigkeit der Stadt, an das Seidenkissen, auf dem diese Gabe getragen wurde.
2Die Nacht der Kerzen
1852 wurde die 5,6 Meter hohe goldene Madonna von Joseph-Hugues Fabisch auf den Glockenturm gesetzt. Die Einweihung war für den 8. September geplant, wurde aber wegen eines Saône-Hochwassers auf den 8. Dezember verschoben. An diesem Tag drohte schlechtes Wetter die Feier platzen zu lassen, und, so erzählt man sich in Lyon, die Bewohner stellten kleine Kerzen in ihre Fenster. So begann der Brauch der „Lumignons“ am 8. Dezember, aus dem die heutige Fête des Lumières, das Lichterfest, wurde.
Die Basilika kam später: 1870, im Krieg gegen Preußen, wurde ein Heiligtum gelobt, falls Lyon verschont bliebe. Der Bau nach Plänen von Pierre Bossan begann 1872, geweiht wurde sie 1896. Die Lyoner nennen sie liebevoll „den umgedrehten Elefanten“.
3Worauf du achten solltest
- Die goldene Madonna auf dem Glockenturm der Kapelle, links.
- Die vier Türme: die „Beine“ des Elefanten.
- Der Aussichtspunkt, von dem aus du beide Hügel und beide Flüsse siehst.

Belegt
Das Gelübde der Schöffen stammt von 1643 und wird jeden 8. September erneuert; Fabischs Madonna wurde am 8. Dezember 1852 eingeweiht, die Basilika zwischen 1872 und 1896 erbaut.
Mündliche Überlieferung
Dass die Fête des Lumières 1852 aus spontan aufgestellten Kerzen entstand und dass der Coussin de Lyon an das Kissen der Opfergabe erinnert, sind überlieferte Erzählungen.
Quellen und Nachweise
Fondation Fourvière, offizielle Website des Heiligtums; Ville de Lyon, offizielle Website der Fête des Lumières; französische Wikipedia, „Basilique Notre-Dame de Fourvière“ und „Vœu des échevins de Lyon“.
Fotos:
- Die weiße Basilika Notre-Dame de Fourvière mit ihren vier Türmen, oben auf dem Hügel über den Bäumen: Dennis G. Jarvis, CC BY-SA 2.0.
- Vergoldete Marienstatue auf dem Glockenturm der Kapelle von Fourvière vor dem Himmel: Romainbehar, Dominio público.
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