Du stehst vor einem der schönsten öffentlichen Brunnen von Marrakesch, Teil der großen Anlage, die der saadische Sultan Abdallah al-Ghalib im 16. Jahrhundert rund um die Mouassine-Moschee errichten ließ.
1Ein neues Viertel
Um 1557 bis 1558 siedelte der Sultan die jüdische Gemeinde aus dieser Gegend in den neuen Mellah neben der Kasbah um. Auf dem frei gewordenen Gelände, zu dem ein alter jüdischer Friedhof gehörte, ließ er zwischen 1562 und 1573 eine Moschee mit Medrese, einen Hammam, eine Bibliothek, eine Koranschule und diesen Brunnen bauen. So brachte er Versorgung und Ansehen in ein wachsendes Viertel.
2Für Menschen und Tiere
Schau dir die Fassade an. Sie hat vier Nischen: Drei bilden einen Trog für Lasttiere, Esel und Maultiere, die vierte ist der Brunnen für die Menschen. Eine Holzstange hielt die Tiere vom Trinkwasser fern. Das Wasser kam durch die Khettaras, unterirdische Kanäle, die es von außerhalb der Stadt heranführten.
Der Brunnen wurde um 1867 gründlich erneuert, doch die geschnitzten Zedernholzkonsolen und der Sturz, die das kleine Dach tragen, sind ursprüngliche Arbeit aus dem 16. Jahrhundert.
Der Ursprung des Namens Mouassine ist ungewiss: Man brachte ihn mit einer Scherifenfamilie oder mit Messerschmieden in Verbindung, doch keine der beiden Erklärungen ist bewiesen.
3Worauf du achten solltest
- Die drei Bögen des Tiertrogs.
- Das grün geflieste Vordach über dem Brunnen für die Menschen.
- Die geschnitzten Zedernholzkonsolen aus dem 16. Jahrhundert.

Belegt
Der Brunnen gehört zur Anlage der Mouassine-Moschee, die zwischen 1562 und 1573 gebaut wurde; er wurde um 1867 erneuert, behält aber sein Holzwerk aus dem 16. Jahrhundert.
Quellen und Nachweise
Gaston Deverdun, «Marrakech des origines à 1912» (1959); Jonathan M. Bloom, «Architecture of the Islamic West» (2020); Quentin Wilbaux, «La médina de Marrakech» (L'Harmattan, 2001).
Fotos:
- Mouassine-Brunnen mit drei großen Bögen in einer Gasse der Medina: C messier, CC BY-SA 4.0.
- Detail des Vordachs und der geschnitzten Zedernholzkonsolen des Mouassine-Brunnens: Oumaima Loudini, CC BY-SA 4.0.
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