Geh so weit zurück, bis du beide Türme ganz siehst. Die grünen Hauben, die die Münchner „Welsche Hauben“ nennen, sind die Silhouette der Stadt: Du findest sie auf Postkarten, auf Bieretiketten und in der Skyline, von fast überall in München aus.
1Ein Dom in Eile
Am 9. Februar 1468 legten Herzog Sigismund und der Bischof von Freising den Grundstein. Baumeister Jörg von Halsbach wählte Backstein, billiger als Naturstein, und eine schlichte Form. Für die damalige Zeit ging es erstaunlich schnell: 1494 wurde eine der größten Hallenkirchen Europas geweiht, 109 Meter lang. Als 1479 das Geld ausging, gewährte Papst Sixtus IV. allen einen Ablass, die nach München pilgerten und spendeten, und die Mittel flossen wieder. Die Hauben kamen Anfang des 16. Jahrhunderts dazu. Seit 1821 ist die Kirche Dom des Erzbistums München und Freising.
2Die Hundert-Meter-Regel
Miss sie mit den Augen: Die Türme sind rund 99 Meter hoch und fast genau gleich hoch, auch wenn eine Sage behauptet, sie unterschieden sich um einen Meter. Innerhalb des Mittleren Rings darf kein Gebäude höher als 100 Meter sein, und 2004 stimmten die Münchner in einem Bürgerentscheid dafür, Hochhäuser auch außerhalb zu begrenzen. Deshalb beherrschen die Türme bis heute den Blick.
Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg stürzte das Dach ein, doch die Türme hielten stand.
Drinnen liegt neben anderen Wittelsbachern Kaiser Ludwig IV., mit einem monumentalen Kenotaph von 1622. Und am Eingang wartet ein Fußabdruck im Boden auf dich; seine Geschichte erzählen wir auf der Sagen-Route.
3Worauf du achten solltest
- Die grünen Hauben, anders als alles Gotische ringsum.
- Der nackte Backstein der Mauern, ohne Strebebögen an der Außenseite.
- Die alten Grabplatten in den Außenmauern.
Belegt
Die Frauenkirche wurde am 9. Februar 1468 begonnen und 1494 geweiht; ihre Türme messen 98,57 und 98,45 Meter, und seit 1821 ist sie Dom.
Mündliche Überlieferung
Die Behauptung, ein Turm sei genau einen Meter höher als der andere, ist eine falsche Sage.
Quellen und Nachweise
Metropolitankirche Zu Unserer Lieben Frau, offizielle Website des Doms; Erzdiözese München und Freising; deutschsprachige Wikipedia, „Frauenkirche (München)“.
Fotos:
- Die Frauenkirche aus rotem Backstein mit ihren zwei grün behaubten Türmen, von oben gesehen: AuHaidhausen, CC BY 4.0.
- Westfassade der Frauenkirche mit ihren zwei Backsteintürmen und den grünen Hauben: Rongaman, CC BY-SA 3.0.
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