Hinter diesem vergoldeten Tor verbirgt sich eines der Juwelen der europäischen Gotik, eingebettet in den Justizpalast. Von der Straße aus siehst du vor allem den Turm; drinnen verschlägt es den Besuchern die Sprache, denn die Wände sind kaum noch vorhanden und durch farbiges Glas ersetzt.

1Eine Kapelle für eine Reliquie

Im Jahr 1239 erwarb König Ludwig IX., der spätere Ludwig der Heilige, von Balduin II., dem lateinischen Kaiser von Konstantinopel, die Reliquie, die als Dornenkrone Christi verehrt wurde. Der Preis war gewaltig, und der König wollte einen würdigen Rahmen: eine Palastkapelle neben seiner Residenz, dem Palais de la Cité. Die Sainte-Chapelle wurde am 26. April 1248 geweiht, nach nur wenigen Jahren Bauzeit, für damalige Verhältnisse ein erstaunliches Tempo.

2Zwei Kapellen übereinander

Das Bauwerk hat zwei Ebenen. Die untere Kapelle diente dem Hofpersonal; die obere, dem König und seinem Kreis vorbehalten, barg die Reliquien. Ihre Glasfenster erzählen die biblische Geschichte in mehr als tausend Szenen, und ein Großteil des Glases stammt noch aus dem 13. Jahrhundert.

Während der Revolution verließen die Reliquien die Kapelle. Die Dornenkrone wird heute in der Schatzkammer von Notre-Dame aufbewahrt.

Die Kapelle überstand die Zeit auch deshalb, weil man sie als Archiv für Gerichtsakten nutzte. Im 19. Jahrhundert wurde sie gründlich restauriert, und der heutige Turm stammt von 1853.

3Worauf du achten solltest

  • Der Turm, zart wie Spitze, über dem Justizpalast.
  • Das Tor zur Cour de Mai mit seiner Vergoldung aus dem 18. Jahrhundert.
  • Die Proportionen des Baus: sehr hoch und schmal, fast nur Fenster.

Belegt

Ludwig IX. erwarb die Dornenkrone 1239, und die Kapelle wurde am 26. April 1248 geweiht; der heutige Turm stammt von 1853.

Quellen und Nachweise

Centre des monuments nationaux, offizielle Website der Sainte-Chapelle; französisches Kulturministerium, Datenbank Mérimée; Jean-Michel Leniaud und Françoise Perrot, ‚La Sainte-Chapelle‘ (Éditions du patrimoine).

Fotos:

  • Der Turm der Sainte-Chapelle über den Dächern des Justizpalasts: KimonBerlin, CC BY-SA 2.0.

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