Vor dir liegt die Yíndìng-Brücke, „der Silberbarren“, benannt nach ihrer gewölbten Form, wie die Barren, mit denen man früher bezahlte. Sie verbindet den Qianhai mit dem Houhai, und an klaren Tagen sah man von hier aus die Westberge: „Die Berge von der Yinding-Brücke aus betrachten“ galt als einer der berühmten Anblicke der Stadt.
1Sprengstoff in der Nacht
Im Februar 1910 plante eine Gruppe junger Revolutionäre, Zaifeng zu töten, den Prinzregenten, der für den Kinderkaiser Puyi regierte. Ihr Anführer war Wang Jingwei, damals 26 Jahre alt. Wochenlang hatten sie in Liulichang einen geheimen Stützpunkt unterhalten, getarnt als Fotostudio. In der Nacht des Anschlags vergruben sie eine Bombe unter einer Brücke, über die der Regent auf dem Weg zum Palast fuhr, doch jemand sah sie beim Verlegen der Drähte, und sie flohen.
Die Überlieferung verortet die Bombe unter dieser Brücke, und Wang selbst erzählte es so, obwohl einer seiner Mitstreiter und einige Historiker sie unter einer anderen Brücke in der Nähe ansiedeln, der Ganshui-Brücke.
Die Polizei brauchte zwei Monate, um sie aufzuspüren. Im April 1910 wurde Wang verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt. Gerettet hat ihn die Revolution von 1911, die das Ende der Dynastie brachte. Jahrzehnte später sollte sein Name mit der Kollaboration mit Japan im Krieg verbunden werden.
Die heutige Brücke ist ein Wiederaufbau aus den 1980er-Jahren, renoviert 2011.
2Worauf du achten solltest
- Der einzelne Bogen der Brücke, am besten vom Ufer aus zu sehen.
- Der Blick nach Westen über den Houhai.
- Kaorou Ji, das 1848 gegründete Grilllamm-Restaurant neben der Brücke.
Belegt
1910 vergruben Wang Jingwei und seine Mitstreiter eine Bombe unter einer Brücke in dieser Gegend, um den Regenten Zaifeng zu töten; im April desselben Jahres wurden sie verhaftet.
Mündliche Überlieferung
Dass die Bombe genau unter der Yinding-Brücke lag, ist die volkstümliche Version; andere Quellen nennen die Ganshui-Brücke.
Quellen und Nachweise
Howard L. Boorman (Hrsg.), „Biographical Dictionary of Republican China“ (1967–1971), Eintrag zu Wang Jingwei; Bezirksregierung Xicheng, Informationen zum Shichahai; Jasper Becker, „City of Heavenly Tranquility“ (2008).
Fotos:
- Der Kanal zwischen den Shichahai-Seen mit der kleinen Bogenbrücke Yinding und Häusern mit Holzbalkonen: MarcBogonovich, CC BY-SA 4.0.
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