Nur wenige Silhouetten Prags sind so unverwechselbar wie diese beiden 80 Meter hohen Türme. Die gotische Kirche wurde Mitte des 14. Jahrhunderts von den wohlhabenden Bürgern der Altstadt begonnen und war im 15. Jahrhundert die große Kirche der utraquistischen Hussiten.
1Der verschwundene Kelch
Der hussitische König Georg von Podiebrad ließ am Giebel seine Statue und darüber einen großen vergoldeten Kelch anbringen, das Symbol der Kommunion in beiderlei Gestalt. Nach der Niederlage der Protestanten wurden 1623 beide in einer geheimen nächtlichen Aktion unter Leitung eines Kanonikers und eines Jesuiten entfernt. An ihre Stelle kam das Marienrelief, das du siehst, von Kašpar Bechteler. Man erzählt, das Gold des Kelches sei im Heiligenschein der Jungfrau gelandet, aber dafür gibt es keinen Beweis.
2Der Tod des Tycho Brahe
Im Inneren, am ersten Pfeiler auf der Südseite, liegt der Grabstein des dänischen Astronomen Tycho Brahe, der für Rudolf II. arbeitete und am 24. Oktober 1601 in Prag starb. Sein Assistent Johannes Kepler hielt fest, dass Tycho bei einem Festmahl nicht vom Tisch aufstehen wollte, um sich zu erleichtern, weil er die Etikette nicht verletzen wollte, und kurz darauf erkrankte.
Jahrhundertelang war von einer Quecksilbervergiftung die Rede. Die Exhumierung von 2010 schloss sie aus.
Ein tschechisch-dänisches Team untersuchte seine Überreste und kam 2012 zu dem Ergebnis, dass kein Quecksilber in tödlicher Menge vorhanden war. Außerdem stellte sich heraus, dass seine berühmte Nasenprothese, nachdem er in einem Duell die Nase verloren hatte, nicht aus Gold und Silber bestand, sondern aus Messing.
3Worauf du achten solltest
- Die asymmetrischen Türme: Der südliche ist etwas breiter als der nördliche.
- Das goldene Marienrelief dort, wo einst der Kelch stand.
- Die Arkaden der alten Teynschule, durch die du die Kirche betrittst.
Belegt
Tycho Brahe starb am 24. Oktober 1601 und ist in der Teynkirche begraben; die Untersuchung seiner 2010 exhumierten Überreste schloss eine tödliche Quecksilbervergiftung aus.
Mündliche Überlieferung
Dass das Gold des hussitischen Kelches für den Heiligenschein der Jungfrau eingeschmolzen wurde, ist eine unbestätigte Überlieferung.
Quellen und Nachweise
Pfarrei Týn (tyn.cz); Universität Aarhus, Studie zu Tycho Brahes Überresten unter Leitung von Jens Vellev (2012); Tschechische Wikipedia, „Kostel Matky Boží před Týnem“.
Fotos:
- Die beiden gotischen Türme der Teynkirche über den Häusern der Altstadt: Jorge Royan, CC BY-SA 3.0.
Fehler entdeckt? Schreib uns und wir sehen es uns an.
