Diese Uhr ist eine mittelalterliche Maschine, die noch läuft. Der erste urkundliche Beleg stammt vom 9. Oktober 1410: In jenem Jahr baute der Uhrmacher Nikolaus von Kaaden das Uhrwerk und das astronomische Zifferblatt, wahrscheinlich nach den Berechnungen von Jan Šindel, einem Universitätsprofessor.
1So liest du sie
Das obere Zifferblatt ist ein Astrolabium: Es zeigt den Stand von Sonne und Mond am Himmel, den Tierkreis und gleich mehrere Zeitangaben, darunter die alte böhmische Zeit. Das untere ist ein Kalendarium mit Monaten und Zeichen, das Josef Mánes 1865–1866 gemalt hat; das Original befindet sich im Stadtmuseum, was du siehst, ist eine Kopie. Wenn die Stunde schlägt, zieht das Skelett an seinem Seil, die Fenster öffnen sich, und die zwölf Apostel ziehen vorbei, nach dem Brand von 1945 neu geschnitzt. Ein goldener Hahn krönt das Schauspiel.
2Meister Hanuš
Die Legende, die Alois Jirásek in seinen „Alten böhmischen Sagen“ (1894) verbreitete, erzählt, die Uhr sei von Meister Hanuš gebaut worden, und die Ratsherren hätten ihn blenden lassen, damit er anderswo keine zweite bauen könne. Aus Rache habe der Meister die Hand ins Uhrwerk gesteckt und es jahrelang zum Stillstand gebracht.
Die Uhr von 1410 ist Geschichte; der geblendete Uhrmacher ist Legende.
In Wirklichkeit hat Jan Růže, genannt Hanuš, die Uhr Ende des 15. Jahrhunderts gewartet und verändert, aber nicht erfunden. Der Irrtum wurde im 20. Jahrhundert aufgeklärt, als man die Abschrift der Urkunde von 1410 fand.
3Worauf du achten solltest
- Das Skelett, das eine Sanduhr dreht und die Glocke zieht.
- Die goldene Hand, die auf dem Zifferblatt die Stunde anzeigt.
- Der Hahn, der über den Fenstern der Apostel erscheint.

Belegt
Die Uhr ist seit dem 9. Oktober 1410 belegt, gebaut von Nikolaus von Kaaden mit Berechnungen, die Jan Šindel zugeschrieben werden; Jan Růže, genannt Hanuš, veränderte sie um 1490.
Mündliche Überlieferung
Die Geschichte von Meister Hanuš, den die Ratsherren blenden ließen, ist eine im 19. Jahrhundert verbreitete Legende.
Quellen und Nachweise
Museum der Hauptstadt Prag (muzeumprahy.cz), Original-Kalendarium von Mánes; Prague City Tourism, Altstädter Rathaus; Zdeněk Horský, „Pražský orloj“ (1988); Alois Jirásek, „Staré pověsti české“ (1894).
Fotos:
- Detail des Zifferblatts der Prager Astronomischen Uhr mit den Tierkreiszeichen: Jorge Royan, CC BY-SA 3.0.
- Das ganze Zifferblatt der Astronomischen Uhr mit dem Skelett, dem Türken, dem Geizhals und dem Eitlen: Godot13, CC BY-SA 4.0.
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