Das Licht schwindet langsam, und die Nordfassade des Schlosses wird dunkel. Kaum ein Gebäude in Stockholm hat so viele Geistergeschichten gesammelt wie dieses, und fast alle drehen sich um zwei Gestalten.

1Der kleine graue Mann

Die älteste ist Grå gubben, „der graue Alte“. Der Überlieferung nach haust er in den Resten der Burg Tre Kronor, die nach dem Brand von 1697 unter dem heutigen Schloss zurückblieben. Man beschreibt ihn als kleinen Mann im Kapuzenmantel, eine Art Schutzgeist der Burg, wie die tomtar, die im schwedischen Volksglauben über jeden Hof wachen. Manche sagen, er sei der Geist Birger Jarls, des sagenhaften Stadtgründers. Er soll dem Architekten Nicodemus Tessin erschienen sein, um ihn zu warnen: Sein Schloss werde er nie vollendet sehen. Und so kam es. Tessin starb 1728, Jahrzehnte bevor die Königsfamilie einzog.

2Die weiße Frau

Am berühmtesten ist Vita frun, die „weiße Frau“: groß, in einem Kleid aus weißer Seide, das man, so heißt es, nur rascheln hört, wenn sie näher kommt. Ihr Besuch soll den Tod eines Mitglieds der Königsfamilie ankündigen. Volkstümliche Berichte erzählen, Prinzessin Eugénie habe sie im März 1871 gesehen, wenige Tage später sei Königin Lovisa gestorben. 1907 sei sie kurz vor dem Tod Oscars II. wiedergekehrt. Und 1920 habe ein Wachposten sie auf dem Dach gesehen, während Kronprinzessin Margaret im Sterben lag.

Weiße Frauen spuken in vielen Schlössern Europas, von Berlin bis Böhmen, und manche glauben, die Stockholmer sei dieselbe, die angeblich durch die Schlösser der Hohenzollern wandelt.

3Worauf du achten solltest

  • Die Bronzelöwen, nach denen die Rampe benannt ist.
  • Die Fenster des Nordflügels, das Revier des grauen Mannes.
  • Die Dachkante, auf der der Wachposten die Frau sah.

Belegt

Die Burg Tre Kronor brannte 1697 ab, und ihre Reste liegen unter dem heutigen Schloss; Tessin starb 1728, bevor die Königsfamilie 1754 einzog.

Mündliche Überlieferung

Grå gubben und Vita frun sind Schlosslegenden; ihre Erscheinungen vor königlichen Todesfällen (1871, 1907, 1920) stammen aus volkstümlichen Berichten, nicht aus offiziellen Aufzeichnungen.

Quellen und Nachweise

Stig Linnell, „Stockholms spökhus och andra ruskiga ställen“ (Prisma, 2002); Kungliga slotten (offizielle Website, Geschichte des Schlosses); schwedische Wikipedia, „Stockholms slott“, Abschnitt „Slottsspöken“.

Fotos:

  • Nordfassade des Stockholmer Schlosses mit der Rampe Lejonbacken unter blauem Himmel: Ankara, CC BY-SA 3.0.

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