Vor dir steht die Storkyrkan, Stockholms älteste Kirche. Sie wird 1279 zum ersten Mal erwähnt und war jahrhundertelang die einzige Pfarrkirche der Stadt. Hier wurde Christian II. im Jahr 1520 gekrönt, wenige Tage vor dem Blutbad. Drinnen aber hütet sie zwei geheimnisumwitterte Schätze.
1Sechs Sonnen über Stockholm
Der erste ist Vädersolstavlan, das „Nebensonnengemälde“. Es zeigt Stockholm unter einem Himmel voller Ringe und falscher Sonnen. Laut seiner Inschrift sah man diese Zeichen am 20. April 1535, zwischen sieben und neun Uhr morgens. Heute wissen wir, dass es Halos waren, eine optische Erscheinung durch Eiskristalle. Damals aber wirkten sie wie ein Vorzeichen. Eine Chronik aus dem 17. Jahrhundert behauptet, der Reformator Olaus Petri, dessen Statue vor dir steht, habe die Zeichen gedeutet und sich damit einen Prozess vor Gustav Wasa eingehandelt. Eine Untersuchung von 1999 ergab, dass das erhaltene Bild eine Kopie von etwa 1636 ist. Wo das Original ist und ob es je existierte, weiß niemand.
2Der Ritter und der Drache
Der zweite Schatz ist die große Schnitzgruppe Sankt Georg und der Drache von Bernt Notke, geweiht 1489. Meist bringt man sie mit dem Sieg Sten Stures des Älteren in der Schlacht am Brunkeberg (1471) in Verbindung. Das Merkwürdigste daran ist unsichtbar: Die Figur ist ein Reliquiar. In die Brust des Heiligen legte man Knochen, die dem heiligen Georg und sechs weiteren Heiligen zugeschrieben werden.
3Worauf du achten solltest
- Die Statue des Olaus Petri, des Mannes, der die Messe ins Schwedische brachte.
- Die Fensterrose an der Nordfassade.
- Der Barockturm, im 18. Jahrhundert auf mittelalterlichen Mauern umgestaltet.


Belegt
Die Inschrift auf Vädersolstavlan datiert die Halos auf den 20. April 1535, und eine Analyse von 1999 zeigte, dass das heutige Bild eine Kopie von etwa 1636 ist; Bernt Notkes Sankt Georg wurde 1489 als Reliquiar enthüllt.
Mündliche Überlieferung
Der Prozess gegen Olaus Petri wegen seiner Deutung der Sonnen stammt aus einer späteren Chronik, und die Verbindung zwischen dem Sankt Georg und der Schlacht am Brunkeberg ist eine verbreitete Deutung, keine belegte Tatsache.
Quellen und Nachweise
Svenska kyrkan, Stockholms domkyrkoförsamling (offizielle Website der Storkyrkan); Peter Gillgren, „Vasarenässansen“ (2009); schwedische Wikipedia, „Vädersolstavlan“ und „Storkyrkan“.
Fotos:
- Rosa-weiße Nordfassade der Storkyrkan mit Fensterrose, davor die Statue des Olaus Petri: ArildV, CC BY-SA 4.0.
- Altes Gemälde von Stockholm unter einem Himmel mit mehreren Sonnen und Lichtringen: Jacob Heinrich Elbfas, Dominio público.
- Vergoldete Skulptur des heiligen Georg zu Pferd im Kampf mit dem Drachen in der Storkyrkan: Palickap, CC BY-SA 4.0.
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