Schau zur Ecke hinauf. Der Steinkopf einer Frau starrt mit weit aufgerissenen Augen auf dich herab. Das ist die Carassa des Carrer dels Mirallers, das bekannteste der geschnitzten Gesichter, die hier und da in der Altstadt auftauchen.

1Ein Zeichen für Kundschaft?

Die beliebteste Erklärung ist eine anrüchige: Diese Gesichter hätten Eingeweihten verraten, dass es in der Straße ein Bordell gab. Die Ribera war das Hafenviertel, voller Seeleute, Kaufleute und Fremder, und Prostitution gehörte zum Alltag. Der kühne, starre Blick der Carassa würde zu diesem Zweck passen.

Es gibt auch eine nüchternere Deutung. Der Straßenname erinnert an die „Mirallers“, die Handwerker, die Spiegel herstellten, und manche Gesichter dieser Art könnten Gewerbe gekennzeichnet oder einfach eine Ecke geschmückt haben. Keine der beiden Erklärungen ist durch Dokumente gedeckt.

2Von den Nachbarn gerettet

Sicher wissen wir, dass der Kopf beinahe verschwunden wäre. Veröffentlichten Berichten zufolge wurde das ursprüngliche Gebäude in den 1980er Jahren abgerissen, und die Carassa kam durch den Druck der Anwohner an ihren Platz zurück. Dass sie überlebt hat, hat sie zu einem kleinen Symbol des Viertels gemacht.

Das Gesicht ist echt und du kannst es sehen; seine Bedeutung bleibt Vermutung.

Örtliche Stadtführer erzählen außerdem eine Geschichte von Prozessionen und von der Rache der Prostituierten des Viertels, aber die gehört eindeutig ins Reich des mündlichen Erzählens.

3Worauf du achten solltest

  • Die weit aufgerissenen Augen der Carassa, ihr auffälligstes Merkmal.
  • Ihre Lage an der Ecke, von beiden Straßen zugleich zu sehen.
  • Das Straßenschild, das an die Spiegelmacher erinnert.
Nahaufnahme des steinernen Kopfes der Carassa
Die Carassa aus der Nähe, mit weit aufgerissenen Augen.

Belegt

Die Carassa sitzt an der Ecke von Carrer dels Mirallers und Carrer dels Vigatans in der Ribera und blieb erhalten, nachdem das Gebäude in den 1980er Jahren abgerissen worden war.

Mündliche Überlieferung

Dass der Kopf ein Bordell anzeigte, ist die verbreitetste Volkserklärung, doch kein Dokument bestätigt sie.

Quellen und Nachweise

Stadtverwaltung Barcelona, Katalog der Kunst im öffentlichen Raum; Barcelona Turisme; Joan Amades, „Històries i llegendes de Barcelona“.

Fotos:

  • Die Ecke von Carrer dels Mirallers und Carrer dels Vigatans mit der Carassa: Enric, CC BY 4.0.
  • Nahaufnahme des steinernen Kopfes der Carassa: Enfo, CC BY-SA 3.0.

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