Vor dir steht die Parochialkirche, die Kirche der reformierten Gemeinde Berlins. Von außen sieht sie aus wie eine weitere Barockkirche. Das Außergewöhnliche liegt unter deinen Füßen.

1Eine pannenreiche Kirche

König Friedrich I., damals noch Kurfürst Friedrich III., legte 1695 den Grundstein. Sein Architekt Johann Arnold Nering starb noch im selben Jahr, und 1698 stürzte das fast fertige Gewölbe ein. Erst 1703 wurde die Kirche geweiht. Am 29. Mai 1944 brannte sie nach einem Brandbombentreffer aus, weshalb ihre Innenwände heute kahl wirken.

2Die Gruft der Mumien

Unter der Kirche liegt eine große Gruft mit Dutzenden Grabkammern, die noch originale barocke Holztüren bewahrt. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden hier wohlhabende Familien beigesetzt. Dank eines sehr wirksamen Belüftungssystems mumifizierte die kühle, trockene Luft viele der Leichname auf natürliche Weise. In den Jahren 2000 und 2001 untersuchte ein Expertenteam die Särge und verzeichnete Dutzende vollständige oder teilweise Mumien in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand.

Niemand wollte Mumien machen: Der Luftzug hat sie konserviert, kein Ritual.

3Der Turm, der brüllte

1715 begann im Turm ein berühmtes Glockenspiel zu läuten, das die Berliner „Singuhr“ nannten. Den Chroniken zufolge endete jede Melodie mit dem Gebrüll der steinernen Löwen des Turms. 1944 ging es verloren; der Turm und ein neues Glockenspiel wurden 2016 eingeweiht.

4Worauf du achten solltest

  • Der Turm, 2016 mit seinem Glockenspiel wiederaufgebaut.
  • Der Kirchhof der Gemeinde, einer der ältesten Berlins.
  • Die unverputzten Innenwände, eine Narbe des Brandes von 1944.

Belegt

Die Kirche wurde zwischen 1695 und 1703 erbaut, ihre Gruft birgt natürliche Mumien, die 2000–2001 untersucht wurden, und der Turm mit seinem Glockenspiel wurde 2016 wiederaufgebaut.

Quellen und Nachweise

Evangelische Kirchengemeinde St. Petri – St. Marien, Geschichte der Parochialkirche; Landesdenkmalamt Berlin, Bericht zur Gruft (2000–2001); Eugen Thiele, Das Glockenspiel der Parochialkirche zu Berlin (1915).

Fotos:

  • Fassade und Turm der Parochialkirche in der Klosterstraße: Kvikk, CC BY-SA 4.0.

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