Vor dir liegt eine der ältesten Ecken Berlins: ein kleines Gasthaus und daneben die letzten Reste der mittelalterlichen Stadtmauer.
1Die verlorene Mauer
Berlin und Cölln umgaben sich Ende des 13. und im 14. Jahrhundert mit einer Steinmauer. Die Stadt wuchs, die Mauer verlor ihren Zweck, und fast alles verschwand. Dieses Stück überlebte, weil Häuser direkt an sie angebaut wurden und sie als Rückwand nutzten. Es ist das Wenige, was von dem Ring übrig ist, der einst die mittelalterliche Stadt schützte.
2Vier Jahrhunderte Bier
Das Haus wird erstmals 1561 erwähnt. 1621 eröffnete hier, den Quellen zufolge, ein Stallmeister des Kurfürsten eine Branntweinschänke, und seither wird in dem Gebäude fast ununterbrochen ausgeschenkt. Der heutige Name ist viel jünger: Er stammt von 1924. Was du siehst, ist größtenteils ein Wiederaufbau von 1963, denn das Gebäude war im Krieg schwer beschädigt worden.
Man sagt, Napoleon habe sich am Kachelofen gewärmt, der drinnen noch immer steht. Ein Dokument, das es belegt, gibt es nicht.
3Eine juristische Legende
„Zur letzten Instanz“ spielt auf das letzte Gericht an, die höchste Berufungsinstanz. Der Überlieferung nach söhnten sich hier zwei Bauern, die sich im nahen Gericht in einem endlosen Prozess gegenüberstanden, schließlich bei einem Bier aus: Das Wirtshaus war ihre wahre letzte Instanz. Die belegte Erklärung ist nüchterner: Der Name wurde wegen des benachbarten Gerichtsgebäudes in der Littenstraße gewählt.
4Worauf du achten solltest
- Die rauen, unbehauenen Steine der Mauer, kaum bearbeitet verlegt.
- Das große Gerichtsgebäude in der Littenstraße, nur wenige Schritte entfernt.
- Das Schild des Gasthauses mit seinem juristisch klingenden Namen.

Belegt
Das Haus wird 1561 erwähnt, ist seit 1621 eine Schankwirtschaft, erhielt 1924 seinen heutigen Namen und wurde 1963 neben einem Rest der mittelalterlichen Stadtmauer wiederaufgebaut.
Mündliche Überlieferung
Napoleons Besuch und die Versöhnung der zwei Bauern sind überlieferte Erzählungen ohne urkundlichen Beleg.
Quellen und Nachweise
Landesdenkmalamt Berlin, Einträge zur Stadtmauer und zum Ensemble Waisenstraße; Stiftung Stadtmuseum Berlin, Das mittelalterliche Berlin; Benedikt Goebel, Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum.
Fotos:
- Fassade des Gasthauses Zur letzten Instanz in der Waisenstraße: Jörg Zägel, CC BY-SA 3.0.
- Reste der mittelalterlichen Berliner Stadtmauer an der Littenstraße: Beek100, CC BY-SA 3.0.
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