Vor dir liegt der Platz, den Victor Hugo für einen der schönsten der Welt hielt. Er kannte ihn gut: 1852, im Exil aus Frankreich, wohnte er in einem seiner Häuser, der Nummer 26, genannt Le Pigeon.

1Ein Platz der Zünfte

Schau dir die Fassaden um dich herum an. Jede war Sitz einer Zunft, und fast alle wurden nach dem Bombardement von 1695 wiederaufgebaut. Bäcker, Brauer, Schiffer und Schneider wetteiferten mit Gold und Skulpturen. Das Haus der Brauer, L’Arbre d’Or, gehört bis heute ihrem Verband. Im Le Cygne wurde 1885 die Belgische Arbeiterpartei gegründet, und Karl Marx verkehrte während seines Brüsseler Exils in dem Haus. Seit 1998 ist der Platz UNESCO-Welterbe.

2Das „schiefe“ Rathaus

Wenn du genau hinsiehst, merkst du: Der Turm steht nicht in der Mitte, und die beiden Flügel sind unterschiedlich – sie entstanden zu verschiedenen Zeiten. Man erzählt, der Architekt habe sich, als er das bemerkte, von der Turmspitze gestürzt. Das ist eine Legende: Kein Dokument stützt sie.

Alle zwei Jahre im August bedeckt ein Teppich aus Hunderttausenden Blumen den Platz.

3Der Glücksbringer

Unter den Arkaden an der Südecke liegt die Bronzefigur von Everard t’Serclaes, der 1356 die Stadt vom Grafen von Flandern zurückeroberte und 1388 ermordet wurde. Das Denkmal von Julien Dillens stammt von 1902. Der Brauch, es zu streicheln, um sich etwas zu wünschen oder sicher nach Brüssel zurückzukehren, ist jung.

4Worauf du achten solltest

  • Le Pigeon mit seiner Gedenktafel für Victor Hugo.
  • Der Rathausturm, aus der Mitte gerückt.
  • Der blank polierte Arm von t’Serclaes.
Bronzedenkmal für Everard t’Serclaes unter den Arkaden der Grand-Place
Der Arm der liegenden Figur glänzt vom ständigen Streicheln.

Belegt

Die Zunfthäuser wurden nach 1695 wiederaufgebaut, Victor Hugo wohnte 1852 im Le Pigeon, und seit 1998 ist der Platz Welterbe; das t’Serclaes-Denkmal von Dillens stammt von 1902.

Mündliche Überlieferung

Der Selbstmord des Architekten wegen der Asymmetrie des Rathauses ist eine Legende, und das Streicheln von t’Serclaes ist ein moderner Brauch ohne historische Grundlage.

Quellen und Nachweise

UNESCO, „La Grand-Place, Brussels“; visit.brussels, „Grand-Place“ und „Flower Carpet“; Inventaire du patrimoine architectural de la Région de Bruxelles-Capitale, Einträge zu den Häusern der Grand-Place und zum Denkmal für Everard t’Serclaes.

Fotos:

  • Panorama der Grand-Place in Brüssel mit dem Rathaus und den Zunfthäusern: Celuici, CC BY-SA 4.0.
  • Bronzedenkmal für Everard t’Serclaes unter den Arkaden der Grand-Place: Trougnouf (Benoit Brummer), CC BY 4.0.

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