Wir enden vor Shah Jahans großer Moschee, doch diesmal betrachten wir, was man nicht sehen kann. Beginnen wir mit ihrem offiziellen Namen: Masjid-i Jahan-Numa, „die Moschee, die die Welt zeigt“.
1Der Becher des Jamshid
Der Name scheint auf eine persische Legende anzuspielen: den Becher des Jamshid, den Jam-i Jahan-Numa. Den Dichtern zufolge besaß dieser mythische König einen Becher, in dem er alles sehen konnte, was im Universum geschah. Shah Jahan, ein großer Liebhaber persischer Dichtung, wollte seine Moschee vielleicht zu diesem Becher machen: zu einem Ort, von dem aus man die Welt betrachten kann.
2Die Reliquien
In einem Pavillon neben dem Nordtor der Moschee werden Gegenstände aufbewahrt, die der Überlieferung nach dem Propheten Mohammed zugeschrieben werden: ein Haar aus seinem Bart, eine Sandale und ein Fußabdruck auf einer Marmorplatte. Dazu kommt ein alter Koran, der der Hand seiner Nachkommen zugeschrieben wird. Für viele Gläubige sind es Gegenstände tiefer Verehrung. Ihre Echtheit gehört, wie die fast aller Reliquien der Welt, in den Bereich des Glaubens.
Ein Fußabdruck im Stein kann Geschichte sein, Symbol oder Wunder: Es hängt davon ab, wer hinschaut.
3Die Moschee, die fast verschwunden wäre
Belegt ist, wie nah sie der Zerstörung war. Nach 1857 erwogen die Briten, sie abzureißen oder zu verkaufen. Sie nutzten sie bis 1862 als Kaserne und machten währenddessen das ganze Viertel ringsum dem Erdboden gleich.
4Worauf du achten solltest
- Das Nordtor, neben dem die Reliquien aufbewahrt werden.
- Das Waschbecken im Hof, vom Eingang aus zu sehen.
- Die Minarette, von denen der Ruf zum Gebet erklang, lange bevor es Lautsprecher gab.

Belegt
Ihr offizieller Name lautet Masjid-i Jahan-Numa; nach 1857 wurde sie beschlagnahmt und bis zur Rückgabe 1862 als Kaserne genutzt.
Mündliche Überlieferung
Die Verbindung zum Becher des Jamshid ist eine Deutung des Namens, und die Zuschreibung der Reliquien an den Propheten gehört zu Glauben und Überlieferung.
Quellen und Nachweise
William Dalrymple, "The Last Mughal" (2006); Rana Safvi, "Shahjahanabad: The Living City of Old Delhi" (2019); Archaeological Survey of India, list of monuments of national importance.
Fotos:
- Seitliche Treppe der Jama Masjid mit Minarett und Kuppeln: David Lisbona from Haifa, Israel, CC BY 2.0.
- Hof der Jama Masjid mit dem Osttor aus rotem Sandstein: Jakub Hałun, CC BY-SA 4.0.
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