Geh zur Ecke des Palazzo Vecchio und schau dir den Stein auf Augenhöhe an. Zwischen den abgenutzten Blöcken zeichnet sich das Profil eines Mannes ab: eine kräftige Nase, eine Stirn, ein vorspringendes Kinn. Man nennt es „l'Importuno di Michelangelo“, Michelangelos Lästigen.
1Die Legenden
Die beliebteste Version erzählt, Michelangelo habe hier gestanden, als ein Mann auf ihn einzureden begann und nicht aufhörte. Genervt habe der Künstler das Porträt des Mannes in den Stein gemeißelt, ohne dabei je aufzuhören zuzuhören, um ihn zu verspotten. Andere Versionen behaupten, er habe es mit dem Rücken zur Wand getan, als Wette, oder er habe einen Verurteilten porträtiert, der auf dem Weg zum Galgen vorbeikam.
Keine dieser Geschichten ist urkundlich belegt: Es sind Erzählungen, die von Stadtführer zu Stadtführer weitergereicht werden.
2Eine ernsthafte Hypothese
2020 vermutete der Kunsthistoriker Adriano Marinazzo in der Zeitschrift «Art e Dossier», das Profil könnte tatsächlich von Michelangelo stammen. Er verglich es mit einer Zeichnung des Künstlers aus dem frühen 16. Jahrhundert, die heute im Louvre hängt und der es stark ähnelt. Außerdem wies er darauf hin, dass niemand ohne Erlaubnis in einen bewachten Palast hätte meißeln können. Das ist eine interessante Hypothese, keine gesicherte Zuschreibung.
3Savonarolas Feuer
Bevor du gehst, such im Pflaster des Platzes vor dem Neptunbrunnen eine runde Granitplatte. Sie markiert die Stelle, an der am 23. Mai 1498 der Mönch Girolamo Savonarola und zwei Gefährten gehenkt und verbrannt wurden. Nur ein Jahr zuvor hatte er auf diesem Platz selbst das „Fegefeuer der Eitelkeiten“ veranstaltet.
4Worauf du achten solltest
- Das gemeißelte Profil an der Ecke des Palastes.
- Savonarolas Gedenkplatte im Pflaster.
- Die Statue von Herkules und Cacus von Bandinelli neben dem Eingang.


Belegt
An der Ecke des Palazzo Vecchio ist ein Profil eingemeißelt, dessen Urheber unbekannt ist; 2020 schlug Adriano Marinazzo vor, es Michelangelo zuzuschreiben. Savonarola wurde am 23. Mai 1498 auf diesem Platz hingerichtet.
Mündliche Überlieferung
Dass Michelangelo das Gesicht eines Lästigen mit abgewandtem Rücken oder das eines Verurteilten gemeißelt habe, sind volkstümliche Erzählungen ohne urkundlichen Beleg.
Quellen und Nachweise
Adriano Marinazzo, Artikel in «Art e Dossier», Nr. 379 (2020); Musei Civici Fiorentini, Palazzo Vecchio; Donald Weinstein, «Savonarola: The Rise and Fall of a Renaissance Prophet» (Yale University Press, 2011).
Fotos:
- Menschliches Profil, in einen Steinblock des Palazzo Vecchio gemeißelt: Giovanni0405, CC BY-SA 4.0.
- Ecke des Palazzo Vecchio zur Via della Ninna hin, wo das gemeißelte Profil sitzt: Francesco Bini, CC BY-SA 4.0.
- Runde Gedenkplatte im Pflaster der Piazza della Signoria zur Erinnerung an Savonarola: Jebulon, CC BY-SA 3.0.
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