Stell dich auf den Gehsteig gegenüber, damit du die ganze Fassade siehst. Die Kirche scheint aus dem Fels zu wachsen und sich in die Höhe zu strecken, um in die Gasse zu passen. Das ist keine Täuschung: Das Grundstück misst gerade einmal 22 mal 9 Meter.
1Eine Kirche zum Eigengebrauch
Zwischen 1729 und 1733 kaufte der Bildhauer und Stuckateur Egid Quirin Asam die Grundstücke neben seinem Haus. Mit seinem Bruder, dem Maler Cosmas Damian, baute er hier eine Kirche, die niemand bestellt hatte: Sie bezahlten sie selbst, zur Ehre Gottes und zum Heil ihrer Seelen. Geweiht wurde sie 1746. Ohne Auftraggeber konnten die Asams tun, was sie wollten, bis hin zu einem Detail, das eines Königs würdig war: Von einem Fenster seiner Wohnung aus blickte Egid Quirin direkt auf den Hochaltar. Die Nachbarn beschwerten sich, dass eine so prächtige Kirche der Öffentlichkeit verschlossen blieb, und die Brüder mussten sie öffnen.
2Der Heilige des Geheimnisses
Die Kirche ist dem heiligen Johannes Nepomuk geweiht, dem Prager Priester, der 1393 auf Befehl König Wenzels IV. in die Moldau gestürzt wurde. So weit ist es belegt. Die Überlieferung fügt das Motiv hinzu, das ihn berühmt machte: Er soll sich geweigert haben, dem König zu verraten, was die Königin ihm gebeichtet hatte.
Deshalb ist Nepomuk der Patron des Beichtgeheimnisses, und diese Kirche hat sieben Beichtstühle.
Wenn du hineingehst, achte auf das Licht: Unten, wo die Gläubigen sitzen, ist es dunkel, ein Sinnbild für das Leid der Welt. Weiter oben wird alles heller, und verborgene Fenster beleuchten die Gruppe der Dreifaltigkeit von hinten. Ein Lichttheater, das deinen Blick zum Himmel ziehen soll.
3Worauf du achten solltest
- Der gemeißelte Fels, aus dem die Fassade hervorzuwachsen scheint.
- Johannes Nepomuk über der Tür, mit seinem Strahlenkranz.
- Das Asamhaus gleich links daneben, von dem aus man den Altar sehen konnte.
Belegt
Egid Quirin Asam baute die Kirche zwischen 1733 und 1746 neben seinem Haus, zusammen mit seinem Bruder Cosmas Damian; ein Fenster seiner Wohnung ging auf den Altar. Johannes Nepomuk starb 1393, als er auf Befehl Wenzels IV. in die Moldau gestürzt wurde.
Mündliche Überlieferung
Dass Nepomuk starb, weil er die Beichte der Königin nicht verraten wollte, ist eine spätere Überlieferung, keine erwiesene Tatsache.
Quellen und Nachweise
Richard Bauer und Gabriele Dischinger, „München, Asamkirche“ (Schnell & Steiner, Kleine Kunstführer 1277); Erzdiözese München und Freising, Pfarrei St. Peter; deutschsprachige Wikipedia, „Asamkirche (München)“.
Fotos:
- Barockfassade der Asamkirche in der Sendlinger Straße, mit Felsensockel und Statuen: AHert, CC BY-SA 3.0.
Fehler entdeckt? Schreib uns und wir sehen es uns an.
