Stell dich auf den Rasen, mit Blick auf das große Säulentor. Du stehst mitten in Ludwigs I. Traum: einem griechischen Platz im Herzen Bayerns. Jedes Gebäude verwendet eine der klassischen Säulenordnungen, wie eine Architekturlektion unter freiem Himmel.

1Drei Tempel für einen König

Im Norden steht Leo von Klenzes Glyptothek (1816–1830), gebaut für die antiken Skulpturen des Königs, mit ionischen Säulen. Im Süden erhebt sich Georg Friedrich Zieblands Bau (1838–1845) mit korinthischen Säulen, seit 1967 Sitz der Staatlichen Antikensammlungen. Im Westen ragen Klenzes Propyläen (1848–1862) in dorischer Ordnung auf, eine Hommage an den griechischen Unabhängigkeitskrieg. Ludwig I. hatte persönliche Gründe: Sein Sohn Otto war 1832 zum König von Griechenland ausgerufen worden. Eine Ironie der Geschichte: Otto wurde 1862 gestürzt, ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Tor fertig wurde.

2Der Aufmarschplatz

Am 10. Mai 1933 verbrannten nationalsozialistische Studenten auf diesem Platz Bücher. Bald darauf taufte das Regime ihn in „Königlicher Platz“ um, riss den Rasen heraus und belegte ihn für seine Kundgebungen mit rund 20.000 Granitplatten. Am Ostende errichtete es zwei „Ehrentempel“ mit den Sarkophagen der sechzehn 1923 getöteten Putschisten. Die Münchner nannten den Platz „Plattensee“, weil das Regenwasser nicht abfloss.

Die Tempel wurden am 16. Januar 1947 gesprengt; übrig sind nur zwei überwucherte Sockel.

Die Platten wurden erst 1987–1988 entfernt, und der Platz erhielt sein Aussehen aus dem 19. Jahrhundert zurück. Seit 2021 erinnert vor der Antikensammlung Arnold Dreyblatts Denkmal „Die Schwarze Liste“ mit den Namen verbotener Autoren an die Bücherverbrennung.

3Worauf du achten solltest

  • Die Giebel und Reliefs der Propyläen mit Szenen aus dem griechischen Unabhängigkeitskrieg.
  • Die begrünten Sockel zu beiden Seiten der Brienner Straße, östlich des Platzes.
  • Das Denkmal zur Bücherverbrennung auf dem Kiesvorplatz vor der Antikensammlung.

Belegt

Der Platz entstand zwischen 1816 und 1862 im Auftrag Ludwigs I.; 1933 wurden hier Bücher verbrannt, das Regime pflasterte ihn mit Granit und errichtete zwei Tempel, die 1947 gesprengt wurden; der Rasen wurde 1987–1988 wiederhergestellt.

Quellen und Nachweise

Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München, offizielle Website; Peter Köpf, „Der Königsplatz in München. Ein deutscher Ort“ (Ch. Links, 2005); deutschsprachige Wikipedia, „Königsplatz (München)“.

Fotos:

  • Die Propyläen am Königsplatz, ein dorisches Tor zwischen zwei wuchtigen Türmen: Diego Delso, CC BY-SA 4.0.

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