Vor dir steht ein schweigender weißer Würfel. Das ist das NS-Dokumentationszentrum München, eröffnet am 30. April 2015, genau siebzig Jahre nachdem amerikanische Truppen in München einmarschiert waren. Sein Standort ist kein Zufall.
1Das Braune Haus
Hier stand ein klassizistisches Palais von 1828, das Palais Barlow. 1930 kaufte es die NSDAP, Anfang 1931 zog die Reichsleitung der Partei ein und nannte es „Braunes Haus“. München war die Wiege der Bewegung: Hier wurde die Partei gegründet, hier versuchte sie 1923 ihren Putsch, und hier hatte sie bis 1945 ihre Zentrale. 1935 verlieh das Regime der Stadt den offiziellen Titel „Hauptstadt der Bewegung“.
2Ein ganzes Parteiviertel
Rundherum entstanden Dienststellen, Archive und Repräsentationsbauten. Neben dem Zentrum steht noch der ehemalige Führerbau, heute eine Musikhochschule. Dort wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938 das Münchner Abkommen unterzeichnet, das Hitler das Sudetenland der Tschechoslowakei zusprach. Rund zwanzig Kilometer entfernt, in Dachau, eröffnete das Regime im März 1933 eines seiner ersten Konzentrationslager.
Der Platz trägt den Namen von Max Mannheimer, einem Überlebenden von Auschwitz und Dachau, der sein Leben dem Zeugnis widmete.
Das Braune Haus wurde im Bombenkrieg zerstört und 1947 abgerissen. Jahrzehntelang blieb das Grundstück leer. Der heutige Bau des Berliner Büros Georg Scheel Wetzel ist ein Würfel aus weißem Beton mit 22,5 Metern Kantenlänge. Seine Lamellen rahmen den Blick auf die Orte, deren Geschichte drinnen erklärt wird: Die Ausstellung lässt dich nie vergessen, wo du bist.
3Worauf du achten solltest
- Die senkrechten Lamellen der Fassade, die wie Fenster zur Umgebung wirken.
- Der Führerbau im Norden, mit seinem Balkon über dem Eingang.
- Der leere Platz vor dem Würfel, unter dem sich die unterirdischen Räume erstrecken.
Belegt
Auf dem Grundstück befand sich von 1931 bis 1945 die Parteizentrale der NSDAP (das „Braune Haus“); das Gebäude wurde 1947 abgerissen, das Dokumentationszentrum am 30. April 2015 eröffnet.
Quellen und Nachweise
NS-Dokumentationszentrum München, offizielle Website und Ausstellung „München und der Nationalsozialismus“; Andreas Heusler, „Das Braune Haus. Wie München zur Hauptstadt der Bewegung wurde“ (DVA, 2008); Historisches Lexikon Bayerns, „Münchener Abkommen, 1938“.
Fotos:
- Weißer Betonwürfel mit senkrechten Lamellen, das NS-Dokumentationszentrum: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0.
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