Du siehst das älteste datierte Haus von Paris. Sein Alter kennen wir genau, denn die Inschrift an der Fassade verrät es: Es wurde 1407 gebaut. Sein Bauherr war Nicolas Flamel, ein Schreiber und Buchhändler, der mit Kauf und Vermietung von Immobilien reich geworden war und damit arme Leute kostenlos unterbrachte.
1Ein Handel mit Bedingungen
Lies das Band gotischer Buchstaben im Erdgeschoss. Im Kern bittet es die „Pflüger und Pflügerinnen“, die unter dem Vordach dieses Hauses wohnen, jeden Tag ein Vaterunser und ein Ave Maria für die verstorbenen Sünder zu sprechen. Das war die Miete: Gebete für das Seelenheil der Wohltäter. Das Erdgeschoss war an Läden vermietet, um das Vorhaben zu finanzieren.
2Die Geburt eines Mythos
Flamel starb 1418 und wurde in der nahen Kirche Saint-Jacques-de-la-Boucherie begraben. Bis hierhin ist alles belegt. Doch wie konnte ein bloßer Schreiber so reich werden? Zwei Jahrhunderte später, 1612, erschien ein ihm zugeschriebenes Buch, das ihn als Alchemisten darstellte, der den Stein der Weisen entdeckt hatte.
Der Legende nach verwandelten Flamel und seine Frau Pernelle Blei in Gold und erlangten sogar Unsterblichkeit. Kein Dokument aus ihrer Zeit stützt das.
Der Mythos reicht bis zu Harry Potter, wo Flamel als Schöpfer des Steins der Weisen auftaucht.
3Worauf du achten solltest
- Die gotische Inschrift über den Öffnungen des Erdgeschosses.
- Die Engel mit Musikinstrumenten und die geschnitzten Figuren an den Pfeilern.
- Die Initialen N und F, in zwei der Pfeiler geschnitzt.

Belegt
Das Haus wurde 1407 auf Betreiben von Nicolas Flamel zur Unterbringung der Armen gebaut, und seine Fassade steht seit 1911 unter Denkmalschutz.
Mündliche Überlieferung
Das Bild von Flamel als Alchemist, der den Stein der Weisen fand, stammt aus apokryphen Texten, die im 17. Jahrhundert veröffentlicht wurden.
Quellen und Nachweise
Französisches Kulturministerium, Datenbank Mérimée (Maison de Nicolas Flamel); Commission du Vieux Paris; Nicolas Flamel, ‚Écrits alchimiques‘, kritische Ausgabe von Didier Kahn (Les Belles Lettres, 1993), zum apokryphen Charakter der Texte.
Fotos:
- Steinfassade des Hauses von Nicolas Flamel in der Rue de Montmorency: Thiebes (talk), CC BY 3.0.
- Geschnitzter Pfeiler und gotische Inschrift am Haus von Flamel: Elterrien, CC BY-SA 4.0.
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