Schau dich um: ein lebhafter Platz, Caféterrassen, Menschen auf den Stufen. Rund sechshundert Jahre lang war das hier der Friedhof der Unschuldigen, der größte von Paris. Hier wurden Gemeindemitglieder vieler Kirchen begraben, dazu die Toten des Hôtel-Dieu, des Krankenhauses auf der Île de la Cité.
1Knochen zur Schau
Der Friedhof war von überdachten Galerien umgeben, den Beinhäusern, auf deren Dachböden sich die Knochen stapelten, die man ausgegraben hatte, um Platz für neue Gräber zu schaffen. 1424 wurde in einer dieser Galerien ein berühmter Totentanz gemalt, in dem der Tod Päpste, Könige und Bauern an der Hand führt. Die Pariser spazierten, handelten und trafen Freunde zwischen diesen Schädeln.
2Der Tag, an dem die Mauer nachgab
Im Lauf der Jahrhunderte stieg der Boden des Friedhofs über das Niveau der umliegenden Straßen. 1780 stürzte eine Mauer ein, und Gebeine ergossen sich in den Keller eines Hauses in der Rue de la Lingerie. Der Friedhof wurde geschlossen, und ab 1786 karrte man seine Knochen nachts in stillgelegte unterirdische Steinbrüche: der Ursprung der Pariser Katakomben.
Der Brunnen von Pierre Lescot und dem Bildhauer Jean Goujon wurde 1549 an einer Ecke des Friedhofs für den feierlichen Einzug König Heinrichs II. errichtet.
Als der Friedhof geräumt wurde, versetzte man ihn in die Mitte des neuen Platzes und gab ihm eine vierte Seite, geschaffen von Augustin Pajou.
3Worauf du achten solltest
- Jean Goujons Nymphen mit wunderbar feinem Faltenwurf auf den senkrechten Reliefs.
- Die vierte Seite aus dem 18. Jahrhundert: Erkennst du den Unterschied?
- Das Pflaster des Platzes, das über dem alten Begräbnisgelände liegt.
Belegt
Der Brunnen stammt von 1549; der Friedhof wurde 1780 nach dem Einsturz einer Mauer geschlossen, und seine Gebeine wurden ab 1786 in die Katakomben gebracht.
Quellen und Nachweise
Französisches Kulturministerium, Datenbank Mérimée (Fontaine des Innocents); offizielle Website der Pariser Katakomben (Paris Musées); Philippe Ariès, ‚Geschichte des Todes‘ (1977).
Fotos:
- Der Brunnen der Unschuldigen an der Place Joachim-du-Bellay: xiquinhosilva from Cacau, CC BY 2.0.
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