Schau dir die Hausnummern an dieser Ecke an. An einem der Gebäude, zur Calle Chile hin, zeigt ein Blechschild mit blauen Ziffern die Nummer 1028. Für die Quiteños ist das keine gewöhnliche Adresse: Hier spielt eine ihrer traurigsten Legenden.

1Das Mädchen, das nicht schlafen wollte

Der Überlieferung nach wohnte im Haus 1028 Aurora mit ihren Eltern. Alle nannten sie Bella Aurora, die schöne Aurora, denn sie war das hübscheste Mädchen der Stadt. Sie war liebenswürdig und beliebt, doch sie schlief schlecht: Jede Nacht träumte sie von ihrem eigenen Tod.

An einem Festtag ging die Familie zur Plaza Mayor, ein paar Schritte von hier, um einem Stierkampf zuzusehen. Ein schwarzer Stier kam in die Arena, doch statt anzugreifen, blieb er stehen und starrte sie an. Aurora erkannte die Gestalt aus ihren Albträumen und fiel in Ohnmacht. Ihre Eltern trugen sie vom Platz.

Der Legende nach sprang der Stier über die Absperrung, rannte durch die Straßen bis zum Haus 1028, brach die Tür auf und stieg hinauf in das Zimmer des Mädchens. Dann verschwand er einfach.

2Was wahr ist

Das Kolonialhaus existiert nicht mehr. An seiner Stelle steht ein moderner Bau, und die alte Nummer ist fast alles, was geblieben ist. Belegt ist, dass in der Kolonialzeit bei Festen auf der Plaza Mayor, der heutigen Plaza Grande, behelfsmäßige Stierkampfarenen aufgebaut wurden. 2020 machte das Kulturamt von Quito aus der Legende eine getanzte Miniserie, in der ein Tänzer den Stier spielte.

3Worauf du achten solltest

  • Das Schild mit der Nummer 1028 an der Calle Chile.
  • Wie nah die Plaza Grande ist, nur einen Block entfernt: der Weg des Stiers.
  • Der Glockenturm von San Agustín, stummer Zeuge dieser Ecke.

Belegt

Bei kolonialen Festen wurden auf der Plaza Mayor von Quito behelfsmäßige Stierkampfarenen aufgebaut; die Nummer 1028 hat sich auf einem Schild am heutigen Gebäude an der Calle Chile erhalten.

Mündliche Überlieferung

Die Geschichte von Bella Aurora und dem schwarzen Stier, der sie bis nach Hause verfolgte, ist eine Legende aus Quito ohne dokumentarische Grundlage.

Quellen und Nachweise

Diario Expreso (Ecuador), Reportage über das Haus 1028 und das Gebäude Guerrero Mora; Städtisches Kulturamt von Quito, Miniserie «La casa 1028» (2020); Zeitung El Telégrafo, «Las casas del centro histórico de Quito son inmuebles de leyenda».

Fotos:

  • Gemeißeltes Steinportal und weißer Glockenturm der Kirche San Agustín an der Ecke Chile und Guayaquil: Ymblanter, CC BY-SA 4.0.

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