Hier endet die Route, im Handelsherzen des alten Venedig. Die kleine Kirche mit der Uhr ist San Giacomo di Rialto, für die Venezianer San Giacometto. Der Überlieferung nach wurde sie am 25. März 421 geweiht, und die Republik feierte diesen Tag als Geburtstag der Stadt. Das Gebäude selbst ist in Wirklichkeit viel jünger.

1Der Verkündigungsstein

Gegenüber der Kirche diente ein Stumpf einer roten Granitsäule, als Kriegsbeute aus Akkon mitgebracht, als Rednerpult. Von dort verlas der Ausrufer die Gesetze der Republik und die Namen der Verurteilten. Die Stufen hinauf ruhten auf einem kauernden Steinmann: dem Gobbo, „dem Buckligen“, 1541 von Pietro da Salò gemeißelt.

2Der Kuss des Verurteilten

Wer zur Auspeitschung verurteilt war, vor allem wegen Diebstahls, musste nackt vom Markusplatz bis hierher laufen und wurde dabei geschlagen. Die Strafe endete, wenn er die Statue küsste. Es waren so viele, dass man 1545 am Pfeiler nebenan ein Metallkreuz anbrachte, das sie stattdessen küssen sollten. Seine Spuren siehst du noch heute.

Wie Pasquino in Rom „sprach“ auch der Gobbo: Man hängte ihm anonyme Spottverse um, und angeblich stand er in Briefwechsel mit seinem römischen Kollegen.

Zum Abendessen bist du hier genau richtig: Rund um den Markt öffnen Bàcari und Osterie, die es schon seit Generationen gibt.

3Worauf du achten solltest

  • Der Gobbo, gebeugt unter seinen Stufen.
  • Die Uhr von San Giacometto über dem Portikus.
  • Die Inschrift an der Apsis, die Kaufleute zu ehrlichen Gewichten und redlichen Verträgen ermahnt.

Belegt

Der Gobbo von Pietro da Salò (1541) trägt die Stufen des Verkündigungssteins, von dem aus Gesetze bekannt gegeben wurden; hier endete die Strafe der Ausgepeitschten, und 1545 wurde ein Kreuz aufgestellt, das sie stattdessen küssen sollten.

Mündliche Überlieferung

Die Gründung von San Giacometto im Jahr 421 ist eine Überlieferung, und der satirische Briefwechsel mit dem römischen Pasquino gehört zur lokalen Folklore.

Quellen und Nachweise

Italienische Wikipedia, «Gobbo di Rialto» und «Rialto (Venezia)»; Paolo Mameli, «Passeggiando per Rialto» (Storti, 2010); Giuseppe Tassini, «Curiosità veneziane» (1863).

Fotos:

  • Die kauernde Statue des Gobbo di Rialto unter den Stufen des Verkündigungssteins: Ethan Doyle White, CC BY-SA 4.0.

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