Vor dir steht der Schreierstoren, oft als „Weinender Turm“ übersetzt. Er ist der letzte Wehrturm der mittelalterlichen Stadtmauer, um 1487 fertiggestellt, als der Hafen genau hier begann.

1Die Legende der weinenden Frauen

Der Überlieferung nach verabschiedeten sich hier die Frauen der Seeleute von ihren Männern, wenn diese nach Indien aufbrachen, auf Reisen, die Jahre dauerten und von denen viele nie zurückkehrten. Ihre Tränen sollen dem Turm den Namen gegeben haben, denn auf Niederländisch bedeutet „schreien“ weinen.

Ein Stein stützt die Geschichte: Eine Tafel von 1569 zeigt eine trauernde Frau, die auf ein auslaufendes Schiff deutet. Manche Fassungen erzählen von einer Frau, die vor Kummer den Verstand verlor, als sie ihren Mann davonsegeln sah. Schon der Dichter Vondel erwähnte den Turm im 17. Jahrhundert.

Doch der alte Name des Turms lautete Schreyhoeckstoren: der Turm der spitzen Ecke.

2Was die Quellen sagen

Historiker erklären den Namen anders. Im alten Niederländisch bedeutete „schrey“ „spitz, schräg“, und der Turm stand genau dort, wo die Mauer einen scharfen Winkel machte. Mit der Zeit vermischte sich das Wort mit „schreien“, und die Legende von den weinenden Frauen war geboren, bestärkt durch die Tafel. Ein Stein über dem Straßenschild erinnert noch an die alte Form, „Scrayer Houck“.

Niemand zweifelt daran, dass die Abschiede im Hafen dramatisch waren. Es fehlt nur der Beweis, dass sie dem Turm seinen Namen gaben.

3Worauf du achten solltest

  • Die Tafel von 1569 mit der Frau und dem Schiff.
  • Der Stein mit dem alten Namen über dem Schild der Prins Hendrikkade.
  • Der Winkel der Straße, die noch immer dem Verlauf der alten Mauer folgt.

Belegt

Der Turm wurde um 1487 an einem Winkel der Stadtmauer fertiggestellt; sein alter Name, Schreyhoeckstoren, bezieht sich auf diese spitze Ecke.

Mündliche Überlieferung

Die Vorstellung, der Turm sei nach den Tränen der Seemannsfrauen benannt, ist eine Legende, die aus der Verwechslung von „schrey“ (spitz) und „schreien“ (weinen) entstand.

Quellen und Nachweise

Rijksmonumentenregister (Eintrag Schreierstoren); Stadsarchief Amsterdam, „De Schreierstoren“; Meertens Instituut, zur Volksetymologie des Namens.

Fotos:

  • Der Schreierstoren, ein runder Backsteinturm an der Geldersekade: Txllxt TxllxT, CC BY-SA 4.0.

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