Du stehst genau an der Stelle, an der Amsterdam geboren wurde. Um 1270 bauten die Bewohner einer kleinen Fischersiedlung hier einen Damm, um die Amstel aufzustauen. Der Damm gab dem Ort seinen Namen: Amstel-dam. 1275 befreite Graf Floris V. die Leute „von Amestelledamme“ von Zöllen. Das ist die erste Urkunde, die die Stadt erwähnt.

1Ein Rathaus, das beeindrucken sollte

Das Gebäude, das den Platz beherrscht, wurde nicht als Palast gebaut, sondern als Rathaus. Die Arbeiten begannen 1648, im selben Jahr, in dem der Westfälische Frieden die Unabhängigkeit der Vereinigten Provinzen von Spanien anerkannte. Der Architekt Jacob van Campen entwarf einen Bürgertempel aus Sandstein, der auf mehr als 13.600 in den Schlamm gerammten Holzpfählen ruht. 1655 wurde er eingeweiht, noch unfertig, und die Zeitgenossen nannten ihn das achte Weltwunder.

Im Inneren zeigt der Marmorboden des großen Bürgersaals die Halbkugeln der Erde und den Nordhimmel: Amsterdam inszenierte sich als Mittelpunkt des Universums. Im Erdgeschoss lag die Vierschaar, der Raum, in dem Todesurteile öffentlich verkündet wurden.

Eine Stadt von Kaufleuten baute sich ein Rathaus, das größer war als viele Königspaläste.

Die Ironie kam 1808: Louis Bonaparte, den sein Bruder Napoleon zum König von Holland gemacht hatte, machte es zu seiner Residenz. Seither ist es ein Königlicher Palast, auch wenn die Monarchen ihn vor allem für Staatsempfänge nutzen.

2Worauf du achten solltest

  • Die schiffsförmige Wetterfahne auf der Kuppel, Wahrzeichen einer Stadt, die vom Meer lebte.
  • Der skulptierte Giebel aus der Werkstatt von Artus Quellinus, mit Meeresfiguren, die Amsterdam huldigen.
  • Das Fehlen eines großen Eingangs: Der Zugang versteckt sich hinter sieben bescheidenen Bögen, vielleicht, damit kein Mob das Haus stürmen konnte.
Kuppel des Königlichen Palastes von Amsterdam mit der goldenen Wetterfahne in Schiffsform
Eine Wetterfahne in Form eines Schiffes krönt die Kuppel des ehemaligen Rathauses.

Belegt

Der Damm über die Amstel bestand um 1270; das Rathaus wurde ab 1648 nach Plänen von Jacob van Campen gebaut, 1655 eingeweiht und 1808 zum Königlichen Palast.

Mündliche Überlieferung

Die Vorstellung, der Eingang sei klein gehalten worden, damit keine Menge das Gebäude stürmen kann, ist eine beliebte Deutung, aber keine belegte Absicht des Architekten.

Quellen und Nachweise

Stichting Koninklijk Paleis Amsterdam (offizielle Website des Palastes); Canon van Amsterdam, Eintrag „Het stadhuis op de Dam“; Geert Mak, „Amsterdam: A Brief Life of the City“ (1994).

Fotos:

  • Fassade des Königlichen Palastes am Dam-Platz in Amsterdam: Diego Delso, CC BY-SA 4.0.
  • Kuppel des Königlichen Palastes von Amsterdam mit der goldenen Wetterfahne in Schiffsform: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0.

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