Vor dir, mitten in der belebtesten Einkaufsstraße Athens, behauptet sich eine byzantinische Kirche von etwa 1050. Die Passanten teilen sich vor ihr wie Wasser um einen Felsen. Dass sie noch hier steht, grenzt an ein städtebauliches Wunder.

1Ein Name, der nach Rauch riecht

Ihr Name hat mehrere Erklärungen hervorgebracht. Die gängigste führt ihn auf das Kapnikon zurück, eine byzantinische Steuer, die für jeden Haushalt gezahlt wurde, buchstäblich für jeden „Rauch“. Der Überlieferung nach war der Stifter ein Einnehmer dieser Steuer, ein Kapnikarios. Andere halten den Namen schlicht für einen Familiennamen, und manche erinnern an einen früheren Namen, Kamoucharea, der mit Seidenwebereien zusammenhängen soll, die in der Nähe gestanden haben sollen. Keine dieser Versionen ist bewiesen.

2Von einem bayerischen König gerettet

Als Athen 1834 Hauptstadt des neuen griechischen Königreichs wurde, legten die Planer König Ottos gerade Straßen über das osmanische Labyrinth, und diese Kirche stand im Weg. Man erzählt, es sei Ottos Vater gewesen, Ludwig I. von Bayern, ein großer Verehrer der Antike, der den Abriss verhinderte. Seit 1931 gehört sie der Universität Athen. Im Inneren schufen der Maler Fotis Kontoglou und seine Schüler zwischen 1942 und 1955 Malereien, die den byzantinischen Stil wiederbelebten.

Die Planer wollten eine gerade Straße; Athen bekam eine Straße, die sich um ihre Geschichte biegt.

3Worauf du achten solltest

  • Die Mauern aus Steinquadern mit Backsteinrahmung, im byzantinischen „Cloisonné“-Stil.
  • Das moderne Mosaik über dem Südeingang.
  • Den Höhenunterschied zwischen Kirche und Straße, der zeigt, wie sehr das Bodenniveau der Stadt gestiegen ist.

Belegt

Die Kirche stammt von etwa 1050, überstand den neuen Straßenplan des 19. Jahrhunderts und gehört seit 1931 der Universität Athen.

Mündliche Überlieferung

Dass sie von einem Einnehmer der Herdsteuer gestiftet wurde, ist eine überlieferte Erklärung des Namens, keine belegte Tatsache.

Quellen und Nachweise

Nationale und Kapodistrias-Universität Athen, Kirche Kapnikarea; Griechisches Kulturministerium, Byzantinische Denkmäler Athens; Charalambos Bouras, Byzantine Athens, 10th–12th Centuries (2017).

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