Bleib auf diesem Stück Gehweg an der Carrera Séptima stehen. Hier wurde am 9. April 1948, kurz nach ein Uhr mittags, Jorge Eliécer Gaitán tödlich verwundet. Er war Kolumbiens beliebtester Politiker und der Favorit für die Präsidentschaftswahl 1950.
1Das Verbrechen
Gaitán hatte seine Anwaltskanzlei im Gebäude Agustín Nieto. Er wollte gerade mit Plinio Mendoza Neira und anderen Freunden zum Mittagessen gehen, als ein Mann mit einem Revolver auf ihn schoss. Noch am selben Nachmittag starb er in der Clínica Central. Für diesen Tag hatte er Treffen mit mehreren Besuchern geplant, darunter ein junger kubanischer Student namens Fidel Castro.
Die Menge verfolgte den mutmaßlichen Täter, Juan Roa Sierra. Ein Polizist schob ihn zum Schutz in eine Apotheke, doch die Leute drangen ein, schlugen ihn tot und schleiften seinen Leichnam die Séptima entlang zum Präsidentenpalast.
2Der Bogotazo
Die Nachricht setzte die Stadt in Brand. Binnen Stunden standen Straßenbahnen, Kirchen, der alte Justizpalast und Dutzende Gebäude im Zentrum in Flammen, und der Aufstand griff auf andere Regionen über. Viele Historiker datieren auf diesen Tag den Beginn einer Gewaltperiode, die Kolumbien jahrzehntelang prägte.
Handelte Roa Sierra allein? 1978 kamen die Gerichte zu dem Schluss, dass er es aus persönlichen Gründen tat. Schon vom ersten Tag an kursierten andere Versionen, von einem politischen Komplott bis zur Beteiligung ausländischer Geheimdienste, doch keine wurde je bewiesen.
Manche Zeugen sprachen sogar von einem zweiten Mann, der vor den Schüssen ein Zeichen gab und dann in der Menge verschwand. Niemand hat ihn je identifiziert.
3Worauf du achten solltest
- Die Gedenktafel an der Fassade des Gebäudes.
- Die Carrera Séptima, heute Fußgängerzone, die sich an jenem Nachmittag mit Menschenmassen füllte.
- Der Weg nach Süden: Auf dieser Straße wurde Roa Sierras Leichnam zur Plaza de Bolívar geschleift.

Belegt
Jorge Eliécer Gaitán wurde hier am 9. April 1948 erschossen; der mutmaßliche Täter Juan Roa Sierra wurde von der Menge gelyncht.
Mündliche Überlieferung
Theorien über die Drahtzieher des Verbrechens, von einem politischen Komplott bis zu ausländischen Geheimdiensten, kursieren seit 1948, wurden aber nie bewiesen.
Quellen und Nachweise
Arturo Alape, «El Bogotazo: memorias del olvido» (1983); Herbert Braun, «The Assassination of Gaitán: Public Life and Urban Violence in Colombia» (1985); Miguel Torres, «El crimen del siglo» (2006).
Fotos:
- Die Fußgängerzone Carrera Séptima nahe der Avenida Jiménez, dahinter der Turm von San Francisco: Peter Angritt, CC BY-SA 4.0.
- Gedenktafel mit der Inschrift „Aquí cayó Jorge Eliécer Gaitán, caudillo del pueblo“: Juanfer81, CC BY-SA 3.0.
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