Vor dir liegt das unheimlichste Portal Cartagenas. 1610 wurde in der Stadt das Tribunal des Heiligen Offiziums eingerichtet, nach Lima und Mexiko das dritte in Amerika. Sein Zuständigkeitsbereich umfasste das Neue Königreich Granada und einen Großteil der Karibik.
1Worüber es richtete
Das Tribunal verfolgte Ketzerei, Gotteslästerung, Bigamie und, vor allem in den ersten Jahrzehnten, Hexerei. Viele der Angeklagten waren afrikanische oder afrikanischstämmige Frauen, die als Heilerinnen arbeiteten. Eine der bekanntesten ist Paula de Eguiluz, eine in Santo Domingo geborene Sklavin, der zwischen 1624 und 1636 dreimal der Prozess gemacht wurde. Nach monatelangen Verhören erzählte sie den Inquisitoren schließlich, was sie hören wollten: von Pakten mit dem Teufel und nächtlichen Zusammenkünften.
Die üblichen Strafen waren Auspeitschung, Geldbußen, Verbannung oder das Tragen des Sanbenito, des Büßergewands. Hinrichtungen auf dem Scheiterhaufen waren in Cartagena selten.
2Das Fenster der Denunziationen
Bieg um die Ecke in die Calle de la Inquisición. Dort siehst du ein kleines Fenster mit einem Steinkreuz darüber. Der Überlieferung nach warf man hier anonyme Anzeigen gegen verdächtige Nachbarn ein.
Manche wollen nachts im Hof Schritte und Stöhnen hören; das gehört zur Folklore des Hauses.
Das heutige Gebäude wurde um 1770 fertiggestellt und beherbergt seit 1924 das Historische Museum von Cartagena. Viele der ausgestellten Folterinstrumente sind Nachbildungen.
3Worauf du achten solltest
- Das Barockportal mit dem königlichen Wappen.
- Das Fenster der Denunziationen in der Seitenstraße.
- Die Holzbalkone, typisch für die Kolonialhäuser.
Belegt
Das Tribunal wurde 1610 eingerichtet; Paula de Eguiluz wurde zwischen 1624 und 1636 dreimal der Prozess gemacht; der heutige Palast wurde um 1770 fertiggestellt.
Mündliche Überlieferung
Dass das seitliche Fensterchen für anonyme Anzeigen diente, und die Gespenster im Hof sind Geschichten aus der Volksüberlieferung.
Quellen und Nachweise
Anna María Splendiani u. a., «Cincuenta años de Inquisición en el Tribunal de Cartagena de Indias, 1610-1660» (1997); Museo Histórico de Cartagena de Indias; Nicole von Germeten, «Violent Delights, Violent Ends» (2013).
Fotos:
- Barockes Steinportal des Inquisitionspalasts mit Holzbalkonen: Dr. Thomas Liptak, CC BY-SA 4.0.
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