Vor dir liegt das ehemalige Kloster der Klarissen, um 1621 fertiggestellt. Mehr als zwei Jahrhunderte lang war es die abgeschlossene Welt von Nonnen in strenger Klausur. Nach seiner Aufhebung im 19. Jahrhundert wurde es zum Gefängnis, dann zum Armenkrankenhaus, und seit 1994 ist es ein Hotel.
1Oktober 1949
Am 26. Oktober 1949 kam ein junger Reporter von El Universal, Gabriel García Márquez, um über die Räumung der Klostergrüfte zu berichten. Wie er selbst im Vorwort zu „Von der Liebe und anderen Dämonen“ (1994) erzählt, quoll beim Öffnen einer der Nischen am Hochaltar eine kupferrote Haarmähne hervor, zweiundzwanzig Meter und elf Zentimeter lang, noch am Schädel eines jungen Mädchens. Auf der Grabplatte war nur ein Name zu lesen: Sierva María de Todos los Ángeles.
García Márquez erinnerte sich da an eine Legende, die ihm seine Großmutter erzählt hatte: von einer zwölfjährigen kleinen Marquise, an Tollwut gestorben, deren Haar ihr wie eine Brautschleppe folgte. Daraus entstand der Roman.
Die Szene von 1949 kennen wir aus dem Bericht des Autors selbst. Das Mädchen Sierva María ist eine Romanfigur.
2Eine Legende aus einem Buch
Die alte Krypta ist im Hotel erhalten und zu einem literarischen Wallfahrtsort geworden. Der Roman brachte auch eine neue Legende hervor: Manche behaupten, dort die Gegenwart des Mädchens mit dem kupferroten Haar zu spüren. Das ist moderne Folklore, geboren aus der Fiktion.
3Worauf du achten solltest
- Die massiven, fast fensterlosen Mauern, typisch für ein Klausurkloster.
- Die Calle del Torno, benannt nach der Drehlade, durch die die Nonnen Dinge von draußen entgegennahmen.
- Die angebaute Kirche mit ihrem schlichten Glockengiebel.
Belegt
Das Klarissenkloster wurde um 1621 fertiggestellt; García Márquez erlebte 1949 die Räumung seiner Grüfte, wie er im Vorwort zu seinem Roman von 1994 erzählt.
Mündliche Überlieferung
Die angebliche Gegenwart von Sierva María in der Krypta ist moderne Folklore, angeregt durch den Roman.
Quellen und Nachweise
Gabriel García Márquez, «Del amor y otros demonios» (1994), Vorwort; Fundación Gabo; Instituto de Patrimonio y Cultura de Cartagena (IPCC).
Fotos:
- Rote Mauern des ehemaligen Klosters Santa Clara, heute ein Hotel: Kamilokardona, CC BY-SA 3.0.
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