Vor dir steht eines der unheimlichsten Gebäude Limas. Hinter seiner klassischen Tempelfront tagte das Tribunal des Heiligen Offiziums, der Inquisition, deren Zuständigkeit einen Großteil Südamerikas umfasste.
1Ein Gericht für einen halben Kontinent
Philipp II. ordnete 1569 die Errichtung des Tribunals von Lima an, und es nahm 1570 unter Vizekönig Francisco de Toledo die Arbeit auf. Es verfolgte Vergehen gegen den Glauben: heimliche Juden, Protestanten, Bigamisten, Gotteslästerer, Heilkundige, die der Hexerei beschuldigt wurden. Die indigene Bevölkerung dagegen unterstand nicht seiner Gerichtsbarkeit.
Am 15. November 1573 fand auf der Plaza Mayor das erste Autodafé statt. Der Franzose Mateo Salado, des Luthertums beschuldigt, war der erste Mensch, der zum Feuertod verurteilt wurde. Viele der als „Lutheraner“ Angeklagten waren in Wirklichkeit Korsaren, die an den Küsten des Vizekönigreichs gefangen worden waren.
2Umstrittene Zahlen
Wie viele starben? Die Historiker sind sich nicht einig, weil sie Verschiedenes zählen. Die Schätzungen der Hingerichteten über zweieinhalb Jahrhunderte reichen von etwa dreißig bis rund fünfzig. Die meisten Angeklagten wurden am Ende „ausgesöhnt“, zu Gefängnis, Verbannung, Auspeitschung oder zum demütigenden Sanbenito verurteilt, einem Büßergewand.
Nach der Unabhängigkeit tagte in dem Gebäude Perus erster Verfassunggebender Kongress, später der Senat. Seit 1968 ist es das Museum des Kongresses und der Inquisition.
Im Inneren siehst du noch den Verhandlungssaal mit seiner Mudéjar-Decke und die sogenannte Geheimtür, durch die Denunzianten unerkannt aussagten. 1820 wurde das Tribunal endgültig abgeschafft.
3Worauf du achten solltest
- Der Säulenportikus, eine klassizistische Front, die erst nach der Zeit des Tribunals hinzukam.
- Die Plaza Bolívar, die einst Inquisitionsplatz hieß.
- Der Kongress nebenan: Die Macht wechselte, die Nachbarschaft nicht.

Belegt
Das Tribunal arbeitete von 1570 bis 1820 in Lima. Der erste Mensch, der auf den Scheiterhaufen kam, war Mateo Salado beim Autodafé vom 15. November 1573.
Quellen und Nachweise
Congress of the Republic of Peru, Museum of Congress and the Inquisition; José Toribio Medina, «Historia del Tribunal de la Inquisición de Lima» (1887); Teodoro Hampe Martínez, «Santo Oficio e historia colonial» (1998).
Fotos:
- Klassizistischer Säulenportikus des ehemaligen Inquisitionstribunals in Lima: Herwarth Morales, CC BY-SA 4.0.
- Alter Stich eines Autodafés auf Limas Plaza Mayor: Autor desconocido, Dominio público.
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