Du stehst in der Calle de la Cabeza, der „Kopfstraße“, im Viertel Lavapiés, zwischen der Calle de Jesús y María und der Calle del Ave María. Sie ist kurz und wirkt unscheinbar, doch ihr Name birgt eine der makabersten Geschichten des alten Madrid.
1Die Legende
Der Überlieferung nach lebte hier zur Zeit Philipps III. ein reicher Priester. Sein Diener ermordete ihn, schnitt ihm den Kopf ab, stahl sein Geld und floh nach Portugal. Jahre später kehrte der Diener als vornehmer Herr verkleidet nach Madrid zurück und kaufte auf dem Rastro einen Schafskopf. Als er so durch die Straßen ging, bemerkte ein Gerichtsdiener eine Blutspur und forderte ihn auf, zu zeigen, was er trug. Beim Öffnen des Bündels erkannte der Mann voller Entsetzen den Kopf seines früheren Herrn. Er gestand auf der Stelle und wurde auf der Plaza Mayor gehängt.
Eine Variante fügt hinzu, der König habe zur Erinnerung an das Verbrechen einen steinernen Kopf am Haus anbringen lassen, und die verängstigten Nachbarn hätten gebeten, ihn zu entfernen.
Der Straßenname ist echt, das Wunder des Kopfes eine Volkserzählung.
2Was wir sicher wissen
Der Name der Straße taucht schon auf Karten und in Urkunden des 16. Jahrhunderts auf. Chronisten wie Mesonero Romanos und Pedro de Répide hielten die Legende fest, doch Fachleute weisen selbst darauf hin, dass Daten und Einzelheiten in den verschiedenen Versionen nicht übereinstimmen. Im 19. Jahrhundert befand sich in dieser Straße das kirchliche Gefängnis der Krone, wo 1821 der Priester Matías Vinuesa gelyncht wurde.
3Worauf du achten solltest
- Das Straßenschild mit ihrem Namen.
- Der enge Verlauf, typisch für den alten Stadtrand von Lavapiés.
- Der nahe Rastro, wo die Legende den Kauf stattfinden lässt.
Belegt
Die Straße taucht unter diesem Namen in Urkunden des 16. Jahrhunderts auf, und im 19. Jahrhundert befand sich hier das kirchliche Gefängnis der Krone.
Mündliche Überlieferung
Das Verbrechen des Dieners und der Schafskopf, der sich in den seines Herrn verwandelte, sind eine von Chronisten aufgezeichnete Legende ohne urkundlichen Beleg.
Quellen und Nachweise
Pedro de Répide, ‚Las calles de Madrid‘; Ramón de Mesonero Romanos, ‚El antiguo Madrid‘ (1861); María Isabel Gea, ‚Los nombres de las calles de Madrid‘; Juan Antonio Cabezas, ‚Diccionario de Madrid‘ (1968). Wie wir recherchieren.
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