Du hast Rahba Kedima erreicht, den „alten Platz“. In der Mitte werden Körbe, Hüte und Wollmützen verkauft; an den Seiten liegen die Läden der Kräuterhändler, die manchmal „berberische Apotheker“ genannt werden.

1Heilmittel und noch mehr

In ihren Regalen siehst du Gewürze, Henna, Alaunsteine, Kajal für die Augen, Wurzeln und Gläser mit Dingen, die schwer zu bestimmen sind. Unter den tierischen Produkten finden sich getrocknete Eidechsen und Reptilienhäute. Vieles wird als Kosmetik oder Heilmittel verkauft; anderes laut Volksglauben als Zutat für Amulette und Zauber: gegen den bösen Blick, für die Liebe oder für Glück.

Der finnische Anthropologe Edward Westermarck dokumentierte Anfang des 20. Jahrhunderts viele dieser marokkanischen Vorstellungen von Magie, Dschinn und Schutz vor dem bösen Blick. Was du heute siehst, ist die kommerzielle, auf Touristen zugeschnittene Version einer Glaubenswelt, die es wirklich gab und die teilweise fortlebt.

2Eine dunkle Geschichte

Rahba Kedima hat auch eine unbequeme Vergangenheit. In den umliegenden Souks wurden an festen Tagen bestimmte Waren versteigert, etwa Wolle, Teppiche oder Waffen. In der Passage zur Criée Berbère, dem angrenzenden Teppichmarkt, fanden bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch Sklavenauktionen statt; die meisten Verkauften waren mit den Karawanen durch die Sahara gebracht worden.

Der Zauber dieses Ortes darf uns nicht vergessen lassen, wer ein paar Schritte von hier verkauft wurde.

3Worauf du achten solltest

  • Die Gewürzpyramiden und die Gefäße der Kräuterhändler.
  • Die Körbe und Hüte in der Mitte des Platzes.
  • Die Passage zur Criée Berbère auf der Nordseite.

Belegt

Rahba Kedima war ein Auktionsplatz, und in der benachbarten Criée Berbère wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts Sklaven verkauft; heute sitzen hier Kräuterhändler und Gewürzläden.

Mündliche Überlieferung

Die magische Kraft der hier verkauften Zutaten gehört zum Volksglauben, nicht zu den bewiesenen Tatsachen.

Quellen und Nachweise

Edward Westermarck, «Ritual and Belief in Morocco» (1926); Quentin Wilbaux, «La médina de Marrakech» (L'Harmattan, 2001); Gaston Deverdun, «Marrakech des origines à 1912» (1959).

Fotos:

  • Körbe, Hüte und Stände unter Sonnenschirmen auf dem Platz Rahba Kedima: Jakub Hałun, CC BY 4.0.

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