Schau nach unten. Der Umriss, der da auf dem Gehsteig liegt, erinnert an Kurt Eisner, Journalist und sozialistischer Politiker. Er wurde am Vormittag des 21. Februar 1919 genau an dieser Stelle ermordet. Um zu verstehen, was später auf dieser Route kommt, musst du hier anfangen.
1Die Revolution vor der Berliner
Im November 1918, als Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte, kam München der Hauptstadt zuvor. Am 7. November führte Eisner nach einer Kundgebung auf der Theresienwiese einen Zug zu den Kasernen, der kaum auf Widerstand stieß. Noch in derselben Nacht rief er im Mathäserbräu den „Freistaat“ Bayern aus und erklärte die Dynastie der Wittelsbacher, die seit 1180 regiert hatte, für abgesetzt. König Ludwig III. hatte die Stadt bereits verlassen.
2Ein Februarmorgen
Eisner wurde erster bayerischer Ministerpräsident, doch seine Partei erlitt bei den Wahlen im Januar 1919 eine schwere Niederlage. Er war auf dem Weg in den Landtag, um seinen Rücktritt einzureichen, als ihm Leutnant Anton Graf von Arco auf Valley zweimal in den Rücken schoss. Sein Sekretär Felix Fechenbach hatte ihm geraten, einen anderen Weg zu nehmen. Nach Fechenbachs Bericht antwortete Eisner:
„Man kann einem Attentat auf die Dauer nicht ausweichen, und man kann mich ja nur einmal totschießen.“
Der Mord löste Monate der Gewalt aus: die kurzlebige Münchner Räterepublik, die im Mai 1919 von Reichswehr und Freikorps niedergeschlagen wurde, mit Hunderten Toten. Arco wurde zum Tode verurteilt, am nächsten Tag begnadigt und 1924 freigelassen. In diesem Klima aus Radikalisierung und Ressentiment wuchs die extreme Rechte heran, der du an den nächsten Stationen begegnest.
3Worauf du achten solltest
- Der Umriss von Erika Maria Lankes, 1989 nach jahrelangem politischem Streit verlegt.
- Die Inschrift, die ihn als den Mann nennt, der die bayerische Republik ausrief.
- Das Palais Montgelas gegenüber, an der Ecke zum Promenadeplatz.
Belegt
Kurt Eisner rief in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 den Freistaat Bayern aus und wurde hier am 21. Februar 1919 von Anton Graf von Arco auf Valley ermordet; das Denkmal stammt von 1989.
Quellen und Nachweise
Historisches Lexikon Bayerns, Artikel „Revolution, 1918/1919“ und „Eisner, Kurt“; NS-Dokumentationszentrum München, Dauerausstellung; Bernhard Grau, „Kurt Eisner 1867–1919. Eine Biographie“ (C. H. Beck, 2001).
Fotos:
- Ins Pflaster eingelassene Metallplatte mit dem Umriss eines am Boden liegenden Körpers, das Denkmal für Kurt Eisner: Bbb, CC BY-SA 3.0.
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