Stell dich neben die Statue des sitzenden Königs und dreh dich langsam um dich selbst: Dieser Platz ist ein Manifest. Er wurde angelegt, um etwas Neues vorzuzeigen. Am 1. Januar 1806 wurde Herzog Max IV. Joseph dank des Bündnisses mit Napoleon zu Max I., dem ersten König von Bayern.
1Vom Kloster zur Bühne
Hier stand einst ein Franziskanerkloster, das 1802 im Zuge der Säkularisation abgerissen wurde. An seiner Stelle begann Karl von Fischer 1811 mit dem Bau des Nationaltheaters, nach dem Vorbild des Pariser Odéon. Nach einem Brand 1823 wurde es wieder aufgebaut, und unter Ludwig II. erlebte seine Bühne die Uraufführungen von Richard Wagners „Tristan und Isolde“ (1865) und „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1868). Im Zweiten Weltkrieg zerbombt, wurde es 1963 wiedereröffnet.
2Florenz in Bayern
Schau jetzt nach Norden. Der Palast mit der Rustikafassade ist der Königsbau der Residenz. Leo von Klenze baute ihn zwischen 1825 und 1842 für Ludwig I., nach dem Vorbild des Palazzo Pitti und des Palazzo Rucellai in Florenz. Gegenüber, im Süden, setzte Klenze einem Rokokopalais eine Arkade im florentinischen Stil vor und machte daraus die Hauptpost.
Der König wollte nicht im Sitzen verewigt werden; das Denkmal wurde 1835 enthüllt, zehn Jahre nach seinem Tod.
Die Figur stammt von Christian Daniel Rauch, der Sockel von Klenze. Durchgesetzt hat es sein Sohn, Ludwig I. Bevor du weitergehst, lohnt ein Abstecher in die nahe Residenzstraße: An der Fassade der Residenz halten Bronzelöwen Wappenschilde, und der Münchner Brauch sagt, dass es Glück bringt, ihnen über die Nase zu reiben.
3Worauf du achten solltest
- Der Giebel des Nationaltheaters mit seinem Mosaik auf Goldgrund.
- Das Rustikamauerwerk des Königsbaus, abgeschaut bei florentinischen Palästen.
- Der sitzende König, der mit ausgestrecktem Arm über den Platz wacht.
Belegt
Max I. Joseph war ab dem 1. Januar 1806 König von Bayern; das Nationaltheater wurde 1811 an der Stelle eines 1802 abgerissenen Franziskanerklosters begonnen, der Königsbau ist ein Werk Klenzes (1825–1842).
Mündliche Überlieferung
Das Reiben der Löwennasen an der Residenz als Glücksbringer ist ein volkstümlicher Brauch ohne belegten Ursprung.
Quellen und Nachweise
Bayerische Staatsoper, Geschichte des Nationaltheaters; Bayerische Schlösserverwaltung, Residenz München; deutschsprachige Wikipedia, „Max-Joseph-Platz“.
Fotos:
- Denkmal für König Max I. Joseph, sitzend vor dem Säulenportikus des Nationaltheaters: Artem Vynohradov, CC BY-SA 4.0.
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