Stell dich vor die drei Bögen. Die Feldherrnhalle ließ Ludwig I. zwischen 1841 und 1844 als Nachbildung der Loggia dei Lanzi in Florenz errichten. Unter den seitlichen Bögen stehen Tilly, ein Feldherr des Dreißigjährigen Kriegs, und Wrede aus den Napoleonischen Kriegen. Lion Feuchtwanger spottete, der eine sei kein Bayer und der andere kein Feldherr gewesen.
19. November 1923
Am Abend zuvor war Hitler in den Bürgerbräukeller gestürmt und hatte die „nationale Revolution“ ausgerufen. Mittags führte er zusammen mit General Ludendorff einen Marsch durch die Innenstadt an. Als der Zug neben dieser Loggia auf den Odeonsplatz kam, stellte sich ihm die Bayerische Landespolizei in den Weg. Der Schusswechsel dauerte weniger als eine Minute: Vier Polizisten, dreizehn Putschisten und ein Unbeteiligter starben. Zwei weitere Putschisten fielen in der Nähe, beim Angriff auf das Wehrkreiskommando. Hitler wurde 1924 der Prozess gemacht, er erhielt fünf Jahre Festungshaft und saß davon rund neun Monate ab.
2Der Umweg
Nach der Machtübernahme machten die Nationalsozialisten den Ort zur Kultstätte. 1933 brachten sie an der Ostseite ein Mahnmal für ihre Toten an, Tag und Nacht von der SS bewacht. Wer daran vorbeiging, musste den Hitlergruß zeigen. Viele Münchner schlüpften lieber durch die Gasse dahinter, die Viscardigasse, die im Volksmund bald „Drückebergergassl“ hieß.
Ein Umweg von fünfzig Metern: die unauffälligste Art, den Arm nicht zu heben.
1995 ließ der Künstler Bruno Wank eine Bronzespur ins Pflaster der Viscardigasse ein, die diesen Umweg nachzeichnet. 2010 wurde an der Wand der Residenz, gegenüber der Loggia, eine Tafel mit den Namen der vier getöteten Polizisten angebracht.
3Worauf du achten solltest
- Die Gedenktafel für die Polizisten an der Westfassade der Residenz, gegenüber der Ostseite der Loggia.
- Die Bronzespur in der Viscardigasse, blank gelaufen von unzähligen Schritten.

Belegt
Beim Schusswechsel vor der Feldherrnhalle am 9. November 1923 starben vier Polizisten, dreizehn Putschisten und ein Unbeteiligter; von 1933 bis 1945 stand hier ein bewachtes NS-Mahnmal, und der Umweg durch die Viscardigasse ist als Möglichkeit belegt, dem Gruß auszuweichen.
Quellen und Nachweise
Historisches Lexikon Bayerns, „Hitler-Putsch, 8./9. November 1923“; NS-Dokumentationszentrum München; deutschsprachige Wikipedia, „Feldherrnhalle“ und „Drückebergergasse“.
Fotos:
- Die Feldherrnhalle am Odeonsplatz, eine Loggia mit drei Bögen, Freitreppe und Bronzestatuen: Thomas Wolf, www.foto-tw.de, CC BY-SA 3.0 de.
- Die Viscardigasse mit ihrer geschwungenen Spur aus Bronzepflastersteinen im Straßenbelag: Richard Huber, CC BY-SA 4.0.
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