Stell dich vor die gelbe Fassade. Dieser Platz ist das Scharnier zwischen dem mittelalterlichen München hinter dir und der Stadt, die die Könige im 19. Jahrhundert anlegten: Die Ludwigstraße führt schnurgerade nach Norden bis zum Siegestor. Seinen Namen hat der Platz vom Odeon, dem Konzertsaal, den Klenze an seiner Nordseite baute.
1Ein gehaltenes Versprechen
1659 gelobte Henriette Adelaide von Savoyen, die Frau des Kurfürsten Ferdinand Maria, „die schönste und kostbarste Kirche“ zu bauen, falls ein Thronfolger geboren würde. Max Emanuel kam am 11. Juli 1662 zur Welt, und im Jahr darauf wurde der Grundstein gelegt. Die Architekten, zuerst Agostino Barelli und später Enrico Zuccalli, nahmen sich Sant’Andrea della Valle zum Vorbild, die Mutterkirche der Theatiner in Rom: Es war die erste Kirche des italienischen Barock in Bayern. Geweiht wurde sie 1675, die Fassade aber erst ein Jahrhundert später vollendet, nach einem Rokokoentwurf von François de Cuvilliés.
Die Türme sind rund 65 Meter hoch, die Kuppel rund 70; ganz oben auf der Laterne dient ein Löwe als Wetterfahne.
Ihre Gruft ist eine der Grablegen der Wittelsbacher. Die 2019 abgeschlossene Restaurierung hat das Ockergelb der Fassade beibehalten, auch wenn ihre Farbe weiter für Gesprächsstoff sorgt.
2Weiter zum Hofgarten
Gegenüber führt das Tor von 1816, Klenzes erstes Werk in München, in den Hofgarten, den Maximilian I. ab 1613 anlegen ließ. In seiner Mitte steht der 1616 vollendete Dianatempel, in dem oft Musik spielt. Durchquere ihn schräg: Das ist der Weg zur letzten Station.
3Worauf du achten solltest
- Die Voluten unter den Turmhelmen, nach venezianischem Vorbild.
- Die Heiligenfiguren in den Nischen der Fassade.
- Der Blick die Ludwigstraße hinunter zum Siegestor.
Belegt
Die Theatinerkirche wurde in Erfüllung eines Gelübdes Henriette Adelaides von Savoyen nach der Geburt Max Emanuels 1662 gebaut; sie wurde 1675 geweiht, ihre Rokokofassade stammt von Cuvilliés, ab 1765.
Quellen und Nachweise
Theatinerkirche St. Kajetan, Website der Münchner Dominikaner; Bayerische Schlösserverwaltung, „Hofgarten München“; deutschsprachige Wikipedia, „Theatinerkirche (München)“.
Fotos:
- Die gelbe Theatinerkirche mit ihren zwei Türmen und der Kuppel am Odeonsplatz: Robert von Oliva (naruciakk), CC0.
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